Kolumnen

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Finanzkrise: Von der Klinge gesprungen

Die belgisch-französische Bank Dexia hat den Verkauf ihrer angeschlagenen US-Versicherung FSA für 700 Millionen Euro inzwischen abgeschlossen. Die toxischen FSA-Vermögenswerte im Wert von 17 Milliarden Euro bleiben bei Dexia. Aber nach einem Verlust von 3,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr verdiente die Bank in der ersten Jahreshälfte bereits wieder Geld.

von Piere Briancon (breakingviews.com)

Ein Geschäft ist abgeschlossen und ein Unternehmen kann so etwas wie einen Schlussstrich ziehen. Dexia, die belgisch-französische Bank, die im vergangenen September mit staatlichen Hilfen von 6,4 Milliarden Euro gerettet werden musste, hat ihre Monoline-Versicherungstochter FSA verkauft. Sie allein verursachte die Hälfte des Verlusts von 3,2 Milliarden Euro, den Dexia 2008 zu verkraften hatte. Das US-Unternehmen Assured Guaranty zahlt sogar etwas mehr für FSA als ursprünglich gedacht. Die Barkomponente wurde auf 546 Millionen Dollar angehoben, zusätzlich erhält Dexia einen 14-prozentigen Aktienanteil an Assured. Aber weitaus wichtiger ist, dass mit dem Deal ein trauriges Kapitel in der Dexia-Geschichte seinen Abschluss findet.

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Auf dem Tiefpunkt im März blickten die französischen und belgischen Steuerzahler, die die Mittel für die 6,4-Milliarden-Euro-Rettungsaktion aufbringen mussten, auf Papierverluste von 5,6 Milliarden Euro. CEO Pierre Mariani, der im Herbst zuvor von BNP Paribas abgeworben wurde, um den Schlamassel aufzulösen, stand also schon allein mit dem Versuch ein Minimum an Vertrauen wiederherzustellen vor einer schweren Aufgabe.

Im Verlauf der Kreditkrise erwies sich FSA als Dexias Sorgenkind und Hauptproblem. Aber die Kombination aus schwachem Management und dem Zusammenbruch von Lehman, der dem Monoline-Geschäft das Genick brach, wurde Dexia fast zum Verhängnis. Als Mariani das Ruder übernahm, gab es sogar Zweifel daran, dass Dexia einen Käufer für ihre abgesicherten Vermögenswerte finden könnte.

Die Länder, die heute an Dexia beteiligt sind, stehen inzwischen wieder auf festerem Boden. Das laufende Geschäft von FSA braucht sie nicht mehr zu kümmern. Und seit März hat sich ihr Papierverlust auf weniger als 3 Milliarden Euro reduziert. Durch den Verkauf von FSA hat sich Dexia von einem 415-Milliarden-Dollar-Portfolio befreit, das zu einem Viertel aus Wertpapieren bestand, die durch Vermögenswerte besichert waren. Geblieben sind Dexia Finanzprodukte im Volumen von 17 Milliarden Dollar, für die bereits Rückstellungen in Höhe von 2 Milliarden Dollar gebildet wurden. Die laufenden Verluste liegen nur noch im Millionenbereich und Mariani ist davon überzeugt, dass die Regierungen im Rahmen ihrer 4,5-Milliarden-Dollar-Garantien nicht zur Kasse gebeten werden müssen.

Ganz aus dem Schneider ist die Bank aber noch nicht. Mariani muss weiter Kosten senken und sein Geschäftsmodell abspecken. Seine Entscheidung darüber, was aus Dexias Kerngeschäft werden soll, steht noch aus: dem Grundsatz nach ist Dexia eine belgische Sparkasse, die französische Lokalverwaltungen finanziert.

Dexias Ausflüge in die Hochfinanz, als die Bank sich als cleverer Geldgeber ohne Refinanzierungsgrundlage versuchte, sind eindeutig vorbei. Aber jetzt, wo Dexia die Sünden der Vergangenheit abbüßt, sind Zukunftspläne wieder möglich.

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