Finanzkrise
Zweifelhafte Blaupausen für Bankenrettung

Blaupausen für die Abwicklung gescheiterter Banken sind in Mode. Der vorherrschenden Idee zufolge sollten Institute in getrennt kapitalisierten Gesellschaften reorganisiert werden. Das könnte ihren Geschäften schaden, ohne einen Sicherheitsgewinn zu garantieren. Notfallpläne sollten aber flexibel auf die Struktur einer Bank ausgerichtet sein.
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Banken sorgen sich wegen einer Patientenverfügung. Gemeint sind die Notfallpläne, die sie für ihre Abwicklung im Krisenfall entwickeln sollen. Die Angst geht um, dass Regulatoren solchen Plänen nur zustimmen, wenn sie die Restrukturierung der Banken in individuell kapitalisierte, nationale Gesellschaften vorsehen. Das sollte aber nicht der Fall sein.

Einige Banken mit großem Privatkundengeschäft, besonders die HSBC, sind bereits als nationale Tochtergesellschaften unterhalb einer Gruppen-Dachgesellschaft strukturiert, Kapital und Liquidität werden lokal gehalten. Daraus folgt ein einfacherer Umgang mit Situationen, in denen eine Bank von schweren Verlusten gebeutelt wird.

Für große, globale Firmenkunden- und Investmentbanken ist es viel schwerer, sich auf diese Weise zu organisieren. Sie sind zentralisierter, und lokale Einheiten sind oft nur Niederlassungen. Würde man sie zwingen, der HSBC ähnlicher zu werden, könnte dies Kosten verursachen, die ihre Geschäfte unmöglich machen.

Ein Problem beim zentralisierten Bankenmodell sind Bargeldrückführungen. Banken nutzen die so genannten "Cash Sweeps", um Bares in der Zentrale zu sammeln und auf Tages- oder Wochenbasis effizienter zu verwalten. Damit wird lokalen Einheiten Liquidität entzogen, und es kann bedeuten, dass in einer Krise das Hauptquartier alle Barmittel zusammenrafft und das Niederlassungsnetzwerk untergehen lässt. Genau dies geschah beim Kollaps von Lehman Brothers.

Das erscheint wie ein Argument gegen das zentralisierte Bankenmodell. Es könnte von Vorteil sein, wenn die Verantwortlichen eine Zwischenlösung tolerieren, bei der Aktivitäten wie "Cash Sweeps" erlaubt sind, aber fortlaufender regulatorischer Zustimmung bedürfen. In Krisenphasen könnten die Aufsichtsbehörden Banken daran hindern, Bares zwischen Niederlassungen hin- und herzuschieben.

Die Finanzaufsicht könnten zentralisierte Banken mit komplexen Geschäftsmodellen auch bestrafen, indem sie gezwungen werden, mehr Kapital zu halten. Diese Idee wurde am 2. November auf einer Konferenz in London von Lord Turner vorgetragen, dem Vorsitzenden der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority (FSA). Würden Banken wirklich Skaleneffekte erzielen, sollten sie in der Lage sein, die zusätzlichen Kapitalanforderungen zu schultern.

Die Hoffnung besteht aber, dass man Patientenverfügungen entwickeln kann, die eine Abwicklung großer Firmenkundenbanken auf der Basis einzelner Niederlassungen erleichtern, ohne vorbeugend die formale Trennung in nationale Gesellschaften zu erzwingen. Wenn die größten Finanzinstitute der Welt ihren letzten Willen entwerfen, sollte man ihnen erlauben, dabei ihr Geschäftsmodell am Leben zu erhalten.

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