Finanzmarkt
Die Zukunft der verbrieften Wertpapiere bleibt ungewiss

Die Fed überlegt das Talf-Programm auszuweiten, das dazu beitrug, den Markt für besicherte Wertpapiere wiederzubeleben. Aber die Pläne der USA, die Emittenten dazu zu zwingen eigene Mittel zu investieren und die Banken dazu zu bringen, viele Vermögenswerte in den eigenen Büchern zu behalten, könnte den Nutzen der Verbriefungen einschränken.
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Der Markt für verbriefte Papiere wirkt gesünder als noch vor einem Jahr. Nach dem Lehman-Zusammenbruch im vergangenen September trocknete der Handel mit verbrieften Krediten für einige Monate fast vollständig aus. Aber die Term Asset-Backed Securities Loan Facility der Federal Reserve, oder kurz Talf, half, den Markt in diesem Jahr wiederzubeleben. Im Rahmen dieses Programms übernimmt die Fed einen Teil der neuaufgelegten Verbriefungen. Damit gelang es, die durchschnittlichen Spreads älterer, mit Kreditkarten-Schulden und Autokrediten besicherter Papiere auf das niedrigste Niveau seit letztem August zu drücken. Die Erholung der verbrieften Wertpapiere ist jedoch noch keineswegs sicher.

Zugegeben, der Ruf der Branche ist in vielen Kreisen ruiniert. Aber das ist nichts Ungewöhnliches für ein Finanzierungsinstrument, das eine Blase bildete, die schließlich platzte. Die Schande wird im Verlauf der Zeit verblassen, vor allem, weil die Krise Veränderungen auf dem Markt für besicherte Schuldenpapiere erzwungen hat. Die Branche legt größeren Wert auf Transparenz und einige der schlimmsten Exzesse sind inzwischen ausgemerzt - genauso wie auch die falsche Vorstellung, dass jeder Kredit durch seine Verbriefung auf magische Weise in ein sicheres Investment verwandelt werden kann. Die Anleger haben gelernt, dass sie die zugrunde liegenden Sicherheiten analysieren müssen und nicht blind auf Kreditratings vertrauen dürfen.

Zu einem größeren Hindernis könnten dagegen einige US-Pläne zur Reform des Marktes für verbriefte Kredite werden. Sie sehen zum Beispiel vor, dass Banken ihre Papiere einschließlich der älteren Verbriefungen behalten und sie weiter in der Bilanz ausweisen. Damit laufen die Finanzinstitute Gefahr dringend benötigtes Kapital zu binden und die Wertpapiere unwirtschaftlich zu machen. JPMorgan-Chef Jamie Dimon erklärte bereits, dass die Bank voraussichtlich keine Kredite mehr verbriefen wird, um ihr Kreditkartengeschäft zu finanzieren, wenn die Regeln im kommenden Jahr verändert werden.

Inzwischen gibt es Pläne, die Emittenten dazu zu zwingen, 5 Prozent aller Konstrukte, die sie verkaufen, selbst zu behalten, um die Kreditqualität zu verbessern. Das könnte jedoch auch dazu führen, dass nur die Kosten der Verbriefung steigen, ohne dass daraus irgendein eindeutiger Nutzen entsteht. Schließlich trugen die Kreditgeber, die mit dem Instrument der Verbriefung gearbeitet haben, schon immer einen Teil des Risikos. So sind sie zum Beispiel dazu verpflichtet, alle Hypothekendarlehen zurückzukaufen, die entweder betrügerisch sind oder schon kurz nach dem Verkauf nicht mehr bedient werden. Nur haben viele dieses Risiko während des Booms schlicht ignoriert. Und Kreditkartenunternehmen können die Kredite, die in einem verbrieften Produkt stecken, nachträglich umstellen, um Investoren zu schützen - ein Grund, warum diese Papiere sich gut behauptet haben.

Die Talf-Unterstützung zeigt, dass die US-Regierung erkannt hat, dass eine Verbriefung von Krediten in Form von Wertpapieren notwendig ist. Sie haben in den letzten Jahren bis zur Hälfte aller Konsumentenkredite betroffen. Aber so, wie der Staat in den Markt eingreifen will, könnte der Nutzen der Verbriefungen schrumpfen.

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