Finanzmarktaufsicht
Derivate-Händler halten dagegen

Die EU-Kommission und das US-Finanzministerium drängen auf neue Vorschriften für nicht notierte Derivate. Beide Parteien geben sich zugeknöpft, ob sie diese Produkte unbedingt den Börsen unterstellen wollen. Wenn ja, müssen sie die Ausgestaltung ihrer Bestimmungen sorgfältig abstimmen, um zu vermeiden, dass sich die Akteure en masse die für sie vorteilhaftere Rechtsprechung aussuchen.
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Große Unterschiede lassen sich zwischen den vorläufigen Vorschlägen der US-Regierung und der EU-Kommission zur regulatorischen Neugestaltung nicht notierter Derivate nicht erkennen. Beide Parteien drängen auf die Bereitstellung von mehr Informationen, eine größere Kurstransparenz und ein zentrales Clearing, um die Risiken der Gegenparteien zu verringern.

Doch beide geben sich zugeknöpft, ob sie für bisher nicht notierte Wertpapiere eine Börsenzulassung erzwingen wollen. Wenn sie die Ausgestaltung ihrer Bestimmungen nicht sorgfältig aufeinander abstimmen, werden sich die Akteure en masse die für sie vorteilhaftere Rechtsprechung aussuchen.

Die Börsen auf beiden Seiten des Atlantik lassen nichts unversucht, um die Branchenwärter davon zu überzeugen, eine Börsennotierung für standardisierte Kontrakte wie Credit Default Swaps oder Zins-Swaps zu verlangen. Diejenigen, die sich dieser Produkte bedienen, würden von der erhöhten Kurstransparenz profitieren, so argumentieren sie.

Die Derivate-Händler halten dagegen. Sie sorgen sich, dass die lukrativen Margen, die diese Instrumente oft bieten, in sich zusammenfallen. So wie dies bei den Margen von US-Unternehmensanleihen zu beobachten war, nachdem die Regulierer vor etwa fünf Jahren die Händler dazu verdonnert hatten, Kurse in Echtzeit zu veröffentlichen.

Die auf Termingeschäfte spezialisierten Häuser behaupten, eine Standardisierung würde den Wert der Instrumente schmälern, da diese oft eingesetzt würden, um ganz spezifische Engagements einzugehen und auf solche speziell zugeschnitten sind. Das geht aber an der Sache vorbei - denn keine der zuständigen Aufsichtsbehörden will maßgeschneiderte Transaktionen gesetzlich verbieten. Und solche Abschlüsse sind gewöhnlich aus einfacheren Einzelteilen zusammengesetzt oder werden damit abgesichert. Diese Komponenten könnten billiger werden, wenn sie an den Börsen gekauft werden könnten.

Die EU und das US-Finanzministerium sind sich einig, dass bei normierten Produkten das Clearing über zentrale Gegenparteien erfolgen sollte. Das ist gut für die Börsen - schließlich besitzen sie viele der großen Clearing-Stellen oder sind mit ihnen verbunden.

Und das reicht vorerst wohl auch. Wenn die Wirtschaftlichkeit standarisierter Kontrakte es verlangt - das heißt, wenn ihre Margen auf einen Punkt absinken, an dem es den Derivate-Händlern dämmert, dass weiterer Widerstand zwecklos ist -, werden sie wahrscheinlich ganz von selbst an die Börsen wandern.

Aber wenn die Aufsichtbehörden in den USA oder Europa versuchen, diese Evolution zu erzwingen, müssen sie schon im Gleichschritt handeln. Sonst sie lösen einen Ansturm auf das entgegenkommendere System aus. Angesichts der Schwierigkeiten, die die Branchenwächter bei ihrer internationalen Zusammenarbeit oft an den Tag legen, ist ein solches Ergebnis nicht allzu weit hergeholt.

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