Finanzmodell
Singapur: Ein Ausweg aus der Bankenkrise?

Zu Recht wendet sich viel Aufmerksamkeit der Frage zu, wie stark Anreize Banker ermuntern, exzessive Risiken einzugehen. Es wird zuwenig über die Anreize derer nachgedacht, die Banker regulieren. Singapur, das seine öffentlichen Angestellten großzügig entlohnt, ist ein gutes Modell.

Könnte ein Weg zur Verhinderung künftiger Bankenkrisen in Singapur gefunden werden? Viel Aufmerksamkeit zog zu Recht die Frage an, wie stark Anreize Banker ermuntern, exzessive Risiken einzugehen. Es wird zuwenig über Anreize für jene gesprochen, die Banker überwachen.

Die Ungleichheiten zwischen der Entlohnung von Angestellten der Finanzbranche und jenen des öffentlichen Sektors sind im größten Teil der Welt riesig. Es gibt natürlich einige sozial gesinnte Individuen, die Chancen auf Reichtum auszulassen bereit sind, weil sie einen noblen Zweck darin erkennen, dem breiteren öffentlichen Interesse zu dienen. Doch zu viele kluge Leute wurden mit dem Versprechen schnöden Mammons aus Behörden wie der US-Finanzaufsicht Securities and Exchange Commission oder dem britischen Pendant Financial Services Authority herausgelockt.

In Singapur allerdings liegen die Dinge anders. Der Inselstaat scheint von der Idealrepublik Platons inspiriert, in der Philosophenkönige das öffentliche Interesse wahren. Passend zu dieser Philosophie belohnt Singapur seine öffentlichen Angestellten üppig. Es überrascht nicht, dass der öffentliche Sektor dort als attraktiver Karriereweg für helle Köpfe betrachtet wird. Es könnte auch kein Zufall sein, dass die Banken des Landes bislang den globalen Sturm recht gut überstanden haben.

Tony Tan, der stellvertretende Vorsitzende von GIC, einem der Staatsfonds von Singapur, brachte dieses Thema beim Weltwirtschaftsforum in Davos letzte Woche auf den Tisch. Er stellte zu Recht heraus, dass jeder Reform der globalen Finanzarchitektur nur begrenzter Erfolg beschieden wäre, solange es nicht genug talentierte Leute gibt, um neue regulatorische Strukturen auch umzusetzen.

Nun hat die Finanzkrise die verfügbaren Boni an der Wall Street und in der Londoner City bereits reduziert, sodass die Lohnunterschiede zugunsten des Finanzsektors kleiner wurden. Und einige profilierte Finanzexperten, etwa der frühere Breakingviews-Direktor Mervyn Davies und Paul Myners, die beide in Großbritannien Minister wurden, dienen inzwischen der Öffentlichkeit, ohne überhaupt dafür entlohnt zu werden. Dies sind jedoch seltene Fälle. Beide haben nicht nur bereits ihre Millionen verdient, sie haben auch schon etwas erreicht, was mit Geld nicht mehr zu bezahlen ist, nämlich einen Sitz im House of Lords, dem Oberhaus des britischen Parlaments.

Wenn die Regierenden dieser Welt beim G20-Gipfel in London im April Pläne zur Reform des globalen Finanzwesens entwerfen, dürfen sie die Anreizgestaltung für Regulatoren nicht vergessen. Einfach ausgedrückt: Wenn sie nur mit Erdnüssen bezahlen, werden sie weiterhin auch nur Affen anlocken können.

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