Finanzplatz Paris
Noch lange nicht geschafft

Paris soll London als Finanzzentrum der Welt überholen - wieder einmal. Doch dafür fehlt es nicht an Hindernissen - und die neue französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hat gar nicht verstanden, worum es eigentlich geht.

Da haben wir es wieder. Eine neue französische Wirtschaftsministerin, wieder ein neuer Plan, Paris zum Finanzzentrum Europas zu machen, wieder ein neues Komitee von Koryphäen, das mit der Ausarbeitung eines weiteren Katalogs an Reformvorschlägen betraut worden ist, die sowieso nicht umgesetzt werden. Fast auf den Tag genau, an dem ihr Vorgänger im Amt des Wirtschaftsministers, Thierry Breton, vor einem Jahr eine ganz ähnliche Initiative eingeleitet hatte, hat Christine Lagarde nun ihren eigenen Entwurf vorgestellt. Die Wirtschaftsministerin will Paris dabei unterstützen, London als finanzielles Herz Europas - und warum nicht gleich der ganzen Welt - zu überflügeln.

Lagarde verweist auf die Steuerpolitik der neuen Regierung unter Sarkozy und auf das nach ihren Worten stabilere Aufsichtssystem. Es stimmt, dass die Steuern auf hohe Einkommen marginal gesenkt worden sind. Die Regierung hofft, damit Steuerexilanten nach Frankreich zurückzulocken. Aber das alleine bedeutet noch lange nicht, dass sich La Cité zu einem bedeutenden Finanzzentrum aufschwingen wird.

Die Zentralbank sitzt in Frankfurt, die Finanziers sind in London und die Entscheidungen über die Aktienmärkte werden seit der Fusion von NYSE und Euronext in New York getroffen. Es fehlt also nicht an Hindernissen für den Einzug der französischen Hauptstadt in die Oberliga. Aber Lagarde hat gar nicht verstanden, worum es eigentlich geht. Paris hat keine finanzielle Schlagkraft, weil Frankreich zu oft ausländischen Unternehmen gegenüber feindlich erscheint. Die Regierung will nicht, dass internationale Unternehmen ihre französischen Konkurrenten übernehmen. Ihre Immigrationspolitik macht es Spitzenfinanzleuten, die nicht aus einem EU-Land stammen, schwer, im Land zu arbeiten.

Und in den seltenen Fällen, in denen ein Ausländer tatsächlich die Leitung eines großen Unternehmens übernimmt, muss er heimtückische Kampagnen über seine Kompetenz über sich ergehen lassen. Man denke nur an das Schicksal von Pat Russo, die Chefin von Alcatel, die für die derzeit schwierige Lage der Firma abgestraft wird, während jeder das klägliche Abschneiden ihres Vorgängers Serge Tchuruk zu vergessen scheint.

Lagarde muss noch hart arbeiten, um Paris geschäfts- und ausländerfreundlicher zu machen. Der erste Schritt wäre, mit ihrem Chef Nicolas Sarkozy zu sprechen. Sie muss versuchen, ihm klar zu machen, dass kein Finanzzentrum innerhalb geschlossener Tore gedeihen kann.

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