Finmeccanica
Für die Krise rüsten

Finmeccanica erweist sich als defensiver Wert. Die Rüstungsfirma wird vermutlich den Großteil der Ausgaben über eine Mrd. Euro einsacken, die die italienische Regierung für die Forschung und Entwicklung im Rüstungsbereich vorgesehen hat. Zudem hat sie sich jüngst einen wichtigen britischen Auftrag gesichert. Die erklärte Zuversicht von Finmeccanica-Boss Guarguaglini für das Jahr 2009 erscheint gerechtfertigt.

Das italienische Rüstungsunternehmen Finmeccanica sieht plötzlich ganz nach einem defensiven Wert aus. Die Firma wird vermutlich einen Großteil des Betrags von fast einer Mrd. Euro einsacken, den die italienische Regierung nach eigenem Bekunden im kommenden Jahr als Kredite für die Forschung und Entwicklung im Rüstungsbereich anbieten will. Zudem hat sich das Unternehmen jüngst einen wichtigen britischen Auftrag gesichert. Die erklärte Zuversicht von Finmeccanica-Boss Pier Francesco Guarguaglini in das Jahr 2009 scheint gerechtfertigt zu sein.

Im Einklang mit der schlechten Verfassung der Märkte in Italien haben sich die Aktien des Rüstungsunternehmens in diesem Jahr im Wert halbiert. Dabei ist ein Anstieg um zehn Prozent im Dezember eingeschlossen, der teilweise durch Guarguaglinis Optimismus ausgelöst worden war. Die Investoren scheinen ihm die mögliche Verwässerung durch eine Bezugsrechtsemission über 1,2 Mrd. Euro im Oktober - die für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 6,2 Mrd. Euro beträchtlich war - verziehen zu haben, um die Akquisition von DRS, einer US-Maschinenbau- und Elektrotechnikfirma mit Rüstungsbezug, zu zahlen. Zum 7,9fachen der für 2009 erwarteten Ergebnisse erscheinen die Aktien nicht teuer.

Natürlich ist eine moderne Militärausrüstung kostspielig, und die Regierungen werden nach Möglichkeiten suchen, um Kosten zu kürzen. Die USA - nach der DRS-Übernahme nun Quelle für 23 Prozent des Umsatzes von Finmeccanica - planen, die Beschaffung zu drosseln und setzen die Zulieferer unter Druck. Trotzdem gehen die Analysten davon aus, dass die Gewinne stetig steigen werden. Die Gewinne in den Kernbereichen dürften 2008 auf 1,3 Mrd. Euro stiegen und bis 2010 etwa 1,9 Mrd. Euro erreichen.

Diese Zuversicht - die angesichts der Verfassung der Märkte selten geworden ist - wird durch das Auftragsbuch von Finmeccanica über 40 Mrd. Euro gestützt. Neben den Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die die italienische Regierung, die 32 Prozent an der Firma hält, für die Rüstung vorgesehen hat, hat Großbritannien bestätigt, dass an der Lieferung von 62 Helikoptern des Finmeccanica-Bereichs AugustaWestland ab 2014 festgehalten werden soll. Mögliche Wachstumsmärkte umfassen Oman und Russland. Die italienische Regierung hat in dieser Woche mitgeteilt, es bestehe "keine politische Opposition" gegen die Versendung von 15 Übungsflugzeugen nach Russland.

Zudem räumt der Zukauf der DRS dem Unternehmen einen größeren Wachstumsspielraum ein - sowohl geografisch als auch produktbezogen. Neben Hubschraubern gehört die Sicherungstechnik längerfristig zu den besten Produktfeldern. Teilweise hängt das davon ab, dass schätzungsweise nur ein Viertel der Erträge von DRS "kriegsbezogen" sind. Einen großen Teil seines Geschäfts bezieht die Firma nämlich über die ganz alltägliche Mobilisierung in Friedenszeiten. Für einen von der Rezession verwundeten Investoren, der sich nach Sicherheit sehnt, könnte sich diese Idee als attraktiv erweisen.

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