Flowers/Northern Rock
Zeigt her euer Geld

Chris Flowers braucht Freunde mit tiefen Taschen, wenn er sich Northern Rock schnappen will. Genauer gesagt, die US-Beteiligungsgesellschaft wird voraussichtlich 15 bis 20 Milliarden britische Pfund aufbringen müssen. Es dürfte ein hartes Stück Arbeit werden, eine Gruppe von Banken dazu zu überreden, Kapital in die angeschlagene britische Hypothekenbank zu stecken.

Chris Flowers braucht Freunde mit tiefen Taschen, wenn er sich Northern Rock schnappen will. Genauer gesagt, die US-Beteiligungsgesellschaft wird voraussichtlich 15 bis 20 Milliarden britische Pfund aufbringen müssen. Flowers braucht die Mittel vorrangig, um sicherzustellen, dass Northern Rock seine Schulden auf dem Interbankenmarkt zurückzahlen kann, die der Immobilienfinanzierer aufgenommen hatte, um seinen Wachstumswahn über das kommende Jahr zu refinanzieren.

Es dürfte ein hartes Stück Arbeit werden, eine Gruppe von Banken dazu zu überreden, Kapital in die angeschlagene britische Hypothekenbank zu stecken - vor allem weil keine Bank bisher Interesse zeigte, Northern Rock selbst mit Haut und Haar zu übernehmen. Vor dem Sturm um Northern Rock gab es einige Banken - darunter Lloyds TSB und offensichtlich JP Morgan - die über einen Kauf nachdachten. Inzwischen scheint das Interesse geschwunden, nicht zuletzt weil die Marke in Stücke gerissen wurde und die Risiken, die mit einer Übernahme der Northern Rock-Bilanz verbunden sind, deutlich angestiegen sind.

Aber immerhin, Flowers nahestehende Personen glauben daran, dass die Mittel aufzubringen sind - wenn auch bisher noch kein Geschäft abgeschlossen werden konnte. Teil eines Konsortiums zu sein bedeutet schließlich etwas anderes, als die ganze Northern Rock allein zu übernehmen. Konsortialpartner teilen nicht nur das Risiko, sie halten ihre Beteiligung auch auf Abstand, so dass der Imageschaden im Falle eines gescheiterten Rettungsversuchs begrenzt bleibt. Noch müssen zahlreiche Brücken überschritten werden. Eine davon wird es wohl sein, die Finanzierungskonditionen mit dem Bankenkonsortium festzuklopfen. Ein Zuckerstück, das dem einen oder anderen schmecken könnte, wäre ein Anteil an jeder Aufwärtsbewegung der Aktie.

Auch der Northern-Rock-Vorstand muss noch davon überzeugt werden, einen Billigpreis zu akzeptieren. Lloyds TBS wollten 200 Pence pro Aktie zahlen. Der Preis, den man sich heute zuflüstert, liegt eher bei 100 Pence - oder 421 Millionen Pfund für das Eigenkapital. Es ist offensichtlich, dass Flowers den Vorstand herunterhandeln will. Den Geschäftsführern wird das nicht behagen, aber ihre Verhandlungsposition sieht nicht sehr stark aus, solange sie nicht schnell einen anderen Freier aus dem Ärmel schütteln können.

Schließlich bleibt die Frage nach der Unterstützung durch die britischen Behörden. Die Regierung hat die Einlagen und das vorrangige Fremdkapital von Northern Rock garantiert. Aber Flowers wird auf eine klare Zusage drängen, dass diese Garantie - und die Möglichkeit von der Bank of England im Notfall Liquidität zu erhalten - auch noch einige Zeit nach der Übernahme seine Gültigkeit behält. Auch hier könnte Flowers sich in einer guten Verhandlungsposition befinden. Schließlich bietet die Beteiligungsgesellschaft die Rettung der ganzen Bank, während einige andere Vorschläge mit einer Zerstückelung verbunden sind. Die Variante einer vollständigen Rettung hat politischen Reiz, schließlich stehen landesweite Wahlen vor der Tür.

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