Flowers-Shinsei
Ein zweites Leben

Chris Flowers hat während der Bankenkrise in Japan ein Vermögen gemacht. Jetzt verstärkt er seine Investitionen bei der Shinsei Bank. Die kurzfristigen Aussichten für Shinsei und andere japanische Kreditinstitute mögen nicht gerade rosig sein, aber die Gruppe um Flowers könnte ein Schnäppchen machen.

Chris Flowers hat aus den Trümmern, die die Bankenkrise im Jahr 2000 in Japan hinterlassen hatte, ein Vermögen aufgebaut. Jetzt setzt er darauf, dass die momentane globale Kreditkrise eine neue Kaufgelegenheit hervorgebracht hat. Die Offerte des von ihm geführten Konsortiums über 1,8 Mrd. Dollar, mit der er seinen Anteil an der Shinsei Bank auf rund ein Drittel erhöhen will, wird sich vielleicht als nicht so lukrativ wie seine ursprüngliche Investition erweisen, aber der Preis sieht attraktiv aus.

David Rubenstein von der Beteiligungsgesellschaft Carlyle hatte die früheren Bemühungen von Flowers um Shinsei als den größten jemals abgeschlossenen Private-Equity-Deal bezeichnet. Flowers, ein ehemaliger Partner von Goldman Sachs, hatte sich vor sieben Jahren mit Tim Collins von Ripplewood Holdings zusammengeschlossen, um für 121 Mrd. Yen die japanische Long Term Credit Bank zu kaufen, nachdem das staatliche Finanzierungsunternehmen pleite gegangen war. Die Bank wurde auf Shinsei umgetauft, was auf Japanisch „Neues Leben” heißt, und von ihren hässlichsten Krediten befreit. Ab Februar 2004 wurden zwei Drittel des Kreditinstituts für insgesamt mehr als 500 Mrd. Yen öffentlich zum Kauf angeboten.

Flowers und Collins strichen Bares über mehr als zwei Mrd. Dollar ein und hielten immer noch einen großen Anteil an der Bank. Aber seit dem Börsengang hat Shinsei völlig versagt. Die Aktien werden derzeit mit 343 Yen gehandelt und damit um rund ein Drittel unter dem Erstemissionskurs. Im gleichen Zeitraum hat der Nikkei-Index um fast 40 Prozent zugelegt.

Eine ins Trudeln geratene Bank kurz vor dem Desaster zu retten und sie in ein blühendes Unternehmen zu verwandeln, sind zwei sehr unterschiedliche Unterfangen. Der Bereich Verbraucherkredite, eine der tragenden Säulen der Wachstumsstrategie von Shinsei, wurde von japanischen Politikern unter Dauerbeschuss genommen. Im vergangenen Jahr hat die Regierung die erlaubten Ausleihesätze beschnitten und einen Höchstsatz von 20 Prozent bei den Zinsen festgesetzt nach zuvor 29 Prozent. Und die globale Kreditkrise war auch nicht gerade zuträglich. Im ersten Halbjahr ist der Gewinn von Shinsei aufgrund von Verlusten bei US-Hypotheken zweitklassiger Bonität um 40 Prozent gefallen.

Diese Schwierigkeiten sehen allerdings wie ein Kinderspiel aus, wenn man sie mit dem schwarzen Loch vergleicht, in das japanische Finanzierungsgesellschaften Anfang dieses Jahrzehnts gestarrt hatten. Nach Angaben von Shinsei ist die Bank US-Hypotheken jeder Couleur über weniger als 500 Mill. Dollar bzw. rund 0,5 Prozent der Aktiva ausgesetzt, und ihre Eigenkapitalquoten sehen solide aus.

Auf dem momentanen Niveau geht Shinsei für gerade einmal 70 Prozent des Buchwerts weg, schätzt Credit Suisse, verglichen mit dem 2,5fachen des Buchwerts bei ihrem Börsengang. Die Ertragsaussichten für Shinsei mögen überhaupt nicht rosig sein, aber sie ist immer noch auf dem besten Weg, in diesem Jahr einen Gewinn abzuliefern und ihre Solvenz ist kein Thema. Die nächste Reinkarnation von Shinsei wird nicht über Nacht von statten gehen. Aber da schon eine Menge schlechter Nachrichten in die Aktie eingearbeitet ist, kann Flowers es sich leisten, geduldig zu sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%