Fluggesellschaften
Spanisches Rendezvous

Eine Fusion zwischen British Airways und Iberia wäre für beide Fluggesellschaften sinnvoll. BA könnte die Flüge nach Lateinamerika bestücken, und Iberia ein Abgleiten auf den Status eines Regionalanbieters vermeiden. Bei den Einnahmen könnte der Zuwachs üppig ausfallen. Aber vorerst haben die Carrier immer noch mit den teuren Treibstoffkosten und rückläufigen Passagierzahlen zu kämpfen.

Nachdem sie seit zehn Jahren miteinander ausgehen, haben sich British Airways (BA) und Iberia nun endlich verlobt. Das Paar befindet sich in "Fusionsverhandlungen" und Iberia hat sich direkt und indirekt mit zehn Prozent am britischen Konkurrenten beteiligt. Aber hierbei handelt es sich nicht um eine klassische defensive Fusion, die nur darauf abzielt, mit einem harten Marktumfeld zu Rande zu kommen. Sie wird die unmittelbaren Probleme der Fluggesellschaften nicht wirklich lösen: weniger Passagiere und teurerer Treibstoff.

In einem schwierigen Markt wie diesem besteht eine mögliche Strategie darin, zu fusionieren, um Kosten zu senken oder um den Einfluss auf die Preisgestaltung zurückzuerobern, oder beides. Das waren die Gründe für den Abschluss zwischen Delta und Northwest in den USA oder die spanische Billigfusion zwischen Vueling und Clickair. Doch ein Zusammenschluss zwischen BA und Iberia würde nichts davon einbringen, zumindest nicht kurzfristig.

Allerdings könnte er sich in anderer Hinsicht auszahlen. BA könnte Passagiere über Madrid leiten und mit ihnen das Lateinamerika-Geschäft von Iberia beleben - wovon die Konkurrenten der britischen Airline wie Air France-KLM und Lufthansa schon lange träumen. Iberia könnte international präsent bleiben und damit vermeiden, auf den Status eines unbedeutenden Regionalanbieters abzurutschen. Ein Deal könnte die One World-Allianz stärken und möglicherweise einen Plan über ein Gemeinschaftsunternehmen mit American untermauern.

Die Fusion wird kompliziert ausfallen - angelehnt an die Struktur, die Air France und KLM geschaffen haben, um knifflige internationale bilaterale Flugverkehrsabkommen zu umschiffen. Auf die Einzelheiten des Aktientauschs haben sich die Parteien noch nicht geeinigt. Auch Details zu den Synergien haben die Partner noch nicht öffentlich dargelegt.

Aber vorhergehende Fälle wie der Zusammenschluss zwischen Air France und KLM haben gezeigt, dass ein Deal längerfristig zu Verbundeffekten bei den Einnahmen von sieben bis zehn Prozent, gemessen an der Einnahmenbasis des kleineren Partners, führen kann. Geht man vom unteren Ende der Einnahmen von Iberia für 2007 aus, dann ergäben sich für das Paar jährliche Synergien von etwa 300 Mill. Pfund Sterling. Besteuert und kapitalisiert könnte der Barwert netto bei bis zu zwei Mrd. Pfund liegen.

Allerdings betrug der Anstieg der Aktienkurse von BA und Iberia am Dienstag, als die Verhandlungen bekannt gegeben wurden, zusammen genommen bei weitem nicht so viel. Die Zurückhaltung ist verständlich. Die Parteien verweisen darauf, dass es Monate dauern kann, bis ein Abschluss ausgehandelt ist. Air France und KLM hatten fusioniert, als das Geschäft gerade zu boomen begonnen hatte. In einem rückläufigen Markt dürfte es schwerer werden, die Synergien zu verwirklichen.

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