Fluggesellschaften
Ticket nach nirgendwo

Langsam scheint es für die Investoren von Fluggesellschaften wieder aufwärts zu gehen. Der Einbruch beim Verkehrsaufkommen lässt nach. Im August verzeichnete der Londoner Flughafen Heathrow den bisher verkehrsreichsten Monat überhaupt. Doch ein Hauptelement bei der scheinbaren Erholung der Fluglinien fehlt: die Macht der Preisgestaltung. Sie wird vielleicht nie mehr ganz zurückkehren.
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Die Papiere von Fluglinien waren im Verlauf dieses Sommers sogar noch stärker gestiegen als der restliche Aktienmarkt. Warum sich die Anleger für diesen gedrückten Sektor erwärmen, ist leicht ersichtlich. Der Einbruch beim Verkehrsaufkommen stabilisiert sich endlich, wie der Internationale Luftverkehrsverband IATA mitteilte. Der weltgrößte Flughafen Heathrow in London verzeichnete im August den bisher verkehrsreichsten Monat überhaupt. Die Weltwirtschaft scheint zu genesen.

Doch auf eine kräftige Erholung bei der Rentabilität der Fluglinien zu setzen, hieße Luftschlösser zu bauen. Die Flugzeuge mögen ausgelastet sein, doch dies ist nur Billigangeboten geschuldet. Nach Angaben des IATA werden die durchschnittlichen Passagierrenditen in diesem Jahr immer noch um zwölf Prozent niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr, nachdem die Geschäftsreisen um 20 Prozent zurückgegangen sind.

Jeder andere Industriezweig würde auf diese Entwicklung mit Kapazitätskürzungen reagieren. Und zu einem gewissen Grad ist dies auch tatsächlich geschehen - besonders in den USA, aber auch in Europa, wo die Deutsche Lufthansa die Konsolidierung angeführt und British Airways die Investitionen zurückgefahren hat. Aber die Branche ist nicht weit genug gegangen.

Europäische Carrier kaufen immer noch Fluggeräte dazu und verschulden sich dabei mit Milliarden von Euro. Und nur einige dieser Flugzeuge werden ältere Modelle ersetzen. Andere werden die ohnehin schon prall gefüllten Hangars zum Bersten bringen. Außerdem haben die Fluggesellschaften die Kosten nicht schnell genug gekürzt, um mit den fallenden Umsätzen Schritt halten zu können. Sie werden in diesem Jahr tiefrote Zahlen schreiben.

Auch wenn sich insgesamt die Zahl der Flugreisenden wieder gefangen hat, so präsentiert sich doch der lukrative Bereich des Sektors - die Geschäftsreisen - nach wie vor saft- und kraftlos. In der Vergangenheit setzte in diesem Segment gewöhnlich dann wieder eine Verbesserung ein, wenn mit einer wirtschaftlichen Erholung gerechnet wurde. Doch die Besorgnis wächst, dass der jüngste Abschwung eine strukturelle Änderung der Fluggewohnheiten erzwungen haben könnte. Eine jüngste Umfrage der schweizerischen UBS zu den Reiseplänen von Unternehmen ergab, dass in den USA 73 Prozent der befragten Firmen Dienstreisen gestrichen und sich auf Alternativen wie etwa Video-Konferenzen verlegt haben. Und die Firmen haben sich mittlerweile an niedrigere Ticketpreise gewöhnt, so dass es schwer werden wird, kurzfristig wieder das Ruder bei der Preisgestaltung in die Hand zu bekommen. Natürlich werden die Geschäftreisenden zurückkommen, aber vermutlich wird von ihnen nicht der von der Branche so heiß ersehnte Schub ausgehen.

Der IATA geht davon aus, dass die Branche im kommenden Jahr Betriebsgewinne von sechs Mrd. Dollar erreicht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sieht diese Prognose bei weitem zu optimistisch aus.

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