Flughafen Paris
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Der französische Baukonzern Vinci hat sich mit drei Prozent an der staatlich gelenkten Aeroports de Paris (ADP) beteiligt und hofft darauf, sich durch diese Aktion als bevorzugter Käufer bei der Privatisierung des Flughafenbetreibers qualifiziert zu haben. Die französische Regierung sollte klarstellen, dass auch andere Bewerber Chancen haben.

Vinci hat es wieder getan. Als der französische Baukonzern in das Geschäft mit der Autobahnmaut einsteigen wollte, erwarb er vor der Privatisierung der staatseigenen ASF einen beachtlichen Unternehmensanteil. Damit lehrte er anderen Bietern das Fürchten, sodass der französischen Regierung beim Verkauf ihrer Beteiligung nichts anderes blieb, als Vinci „zu wählen“. Jetzt hat das Unternehmen einen 3-prozentigen Anteil am französischen Flughafenbetreiber ADP erworben, einem börsennotierten Unternehmen, an dem der französische Staat mit 68 Prozent beteiligt ist. Nach Aussage Vincis handelt es sich bei dieser Transaktion um eine reine Finanzinvestition. Auf der anderen Seite macht Vinci schon seit Langem deutlich, dass man durchaus interessiert sei, wenn die französische Regierung sich entscheiden sollte, ADP zu privatisieren.

Finanziell scheint Vinci den richtigen Zeitpunkt abgepasst zu haben. Die Aktien von ADP haben seit ihren Hochständen im Juli um ein Viertel nachgegeben. Und erst kürzlich haben die Flughafenbetreiber ihre ohnehin schon kräftige Wachstumsprognose nach oben korrigiert; die Gewinne werden bis 2010 deutlich zulegen und das Unternehmen bewegt sich in einem günstigen Regulierungsumfeld mit kalkulierbarer Kosten- und Investitionsentwicklung. ADP profitiert vom Boom der Drehscheibe Paris und gehört, nach dem Verkauf von BAA an Ferrovial, zu den wenigen noch verfügbaren Flughafenwerten in Europa. Analysten schätzen den Wert des Unternehmens auf 90 Euro pro Aktie. Legt man den gleichen Ergebnis-Multiplikator wie bei der BAA-Akquisition zugrunde, sind auch 99 Euro realistisch. Der Preis, den Vinci jetzt für seine Beteiligung auf den Tisch legte, betrug 70 Euro pro Aktie.

Die französische Regierung hielt sich bisher bedeckt, ob oder wann sie ADP zu privatisieren gedenkt. Vor einem solchen Schritt muss sie jedoch zuerst eine Gesetzesänderung durchbringen, die es ihr erlaubt, den Staatsanteil unter 50 Prozent zu senken. In der Zwischenzeit könnte sie allerdings gesetzeskonform die darüberliegenden 18 Prozent verkaufen. In jedem Fall aber sollte die Regierung klar machen, dass Vincis 3-Prozent-Anteil keine Vorzugsbehandlung begründet, wenn die Zeit reif ist. Zu den Mitbewerber um ADP gehören die Wasser- und Umweltgruppe Veolia und Macquarie (Finanz- und Beratungsdienstleistungen). Mit einem Unternehmenswert von 9 Milliarden Euro befindet sich ADP allerdings auch in der Reichweite von Beteiligungsunternehmen. Wenn ADPs Zeit kommt, wird es dem Flughafenbetreiber jedenfalls nicht an Interessenten mangeln. Vinci sollte behandelt werden, wie einer unter ihnen.

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