Flughafenbetreiber
Kreise in der Luft

Die Trennung von Stephen Nelson, Chef des britischen Flughafenbetreibers BAA, scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Allerdings gibt es für den spanischen Eigner Ferrovial noch Einiges zu erledigen

BAA ist noch ein gutes Stück von der sicheren Landebahn entfernt; aber zumindest befindet sich das Unternehmen jetzt in einer Warteschleife. Der angeschlagene Betreiber des Londoner Flughafens Heathrow hat seinen Chef, Stephen Nelson, nach nur anderthalb Jahren im Amt gefeuert.

Nelson gilt bei Bekannten als cleverer und angesehener Einzelhandelsmanager. Allerdings fehlt ihm das Gespür für die Realpolitik. An der Spitze der BAA war er damit die falsche Besetzung, um mit den drei großen Problemen des Flughafenbetreibers fertig zu werden: dem Medienrummel um die Verspätungen, der strikten Begrenzung der zulässigen Gewinne durch die Flughafenaufsicht und dem Angriff auf die Monopolstellung der Gruppe.

Der neue Pilot an Bord von BAA, Colin Matthews, wirkt da schon besser geeignet. Bei British Airways galt er nach Insiderinformationen als betriebliches Genie. Zuletzt steuerte er Severn Trent, ein britisches Versorgungsunternehmen. Der Umgang mit Aufsichtsbehörden dürfte ihm daher vertraut sein. Matthews hat dank seiner Vergangenheit beim Konglomerat Hays und dem Versorger Severn Trent auch Erfahrung mit der Aufspaltung von Unternehmen. Die könnte sich als hilfreich erweisen, wenn die Wettbewerbshüter zu der Einschätzung gelangen sollten, dass BAA ein paar Flughäfen zuviel besitzt.

Alles in allem scheint BAA-Eigner Ferrovial aus Fehlern zu lernen. Nach der 10-Milliarden-Pfund-Investition in ein vermeintlich müdes Infrastrukturunternehmen setzte Ferrovial zunächst Nelson an dessen Spitze. Dann aber stellte sich heraus, dass die Mittel stattdessen in ein politisches Minenfeld geflossen waren. Der größte Fehler bestand darin, davon auszugehen, dass die Flughafen-Aufsichtsbehörden nach der überwiegend kreditfinanzierten Übernahme die Finger von BAAs Erträgen lassen würden. Schließlich gingen dem Deal einige Jahre des relativen Laissez-faires voraus.

BAA hat aber noch ein gutes Stück zurückzulegen, bevor die Finanzierungsprobleme gelöst werden können. Die Kreditkrise hat dazu beigetragen, dass der Konzern bis heute auf Schulden in Höhe von rund zehn Mrd. Pfund sitzt, für die er keine Refinanzierung findet. Die Zinsen mehren sich allmählich. Analysten von JP Morgan befürchten, dass die Liquidität knapp werden könnte, wenn im Laufe des Jahres keine neue Finanzierung gelingt. Die Konditionen für die Umschuldung hängen davon ab, ob die Aufsichtsbehörden Verständnis für die finanziellen und strategischen Probleme bei BAA aufbringen. Die Antwort hängt noch in der Luft.

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