Fluglinien
British Airways schaltet auf Überleben

Nach Rekordverlusten im vergangenen Jahr streicht die britische Fluglinie die Dividende. BAs Finanzmittel schrumpfen rapide. Die Gegenmaßnahmen – Kapazitätseinschränkungen, rückläufige Investitionen und Kostensenkungen – müssen einschneidend ausfallen, wenn sie wirklich wirken sollen. Und gleichzeitig ist der erhoffte Deal mit Iberia wieder in weite Ferne gerückt.
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Vor einem Jahr triumphierte Willie Walsh noch mit British Airways? "außerordentlichem" Ergebnis. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet und die Airline, der er vorsitzt, erwirtschaftet nicht mehr Rekordgewinne, sondern Rekordverluste und ihre Finanzmittel schmelzen schnell zusammen. Die Probleme haben BA veranlasst, in den Überlebensmodus zu schalten. Peinlich für Walsh, dass er die Dividende, die er gerade erst vor 12 Monaten wieder aufleben ließ, jetzt schon wieder aussetzen muss.

Das Marktumfeld könnte kaum problematischer sein. Aber BA kann nicht allein die Konjunktur und die Schwäche der britischen Währung für die Misere verantwortlich machen. Schließlich entwickelten sich die Umsätze im abgelaufenen Jahr sogar leicht nach oben. Allerdings verpasste BA mit seiner Preisabsicherungsstrategie bei Flugbenzin die Chance, sich während der Niedrigpreisphase zu Beginn des Jahres einzudecken.

Während BA nun mit geringeren Spritkosten im weiteren Jahresverlauf rechnet, fallen die Umsätze - so waren im 4. Quartal bereits Einbußen um 8 Prozent zu verzeichnen. Walsh sieht nach eigenen Angaben noch keine Erholungszeichen - ein Warnhinweis, der ernst genommen werden muss. Durch den hohen Anteil von geschäftsbedingten Transatlantikflügen ist BA im Falle einer anhaltenden Konjunkturschwäche besonders anfällig. Die Buchungen im Premiumgeschäft fielen im 12-Monatsvergleich zum April um 17 Prozent.

Walsh hat allen Grund pessimistisch zu klingen: BA steckt mitten in schwierigen Verhandlungen mit den Gewerkschaften über Lohnsenkungen. Einsparungen bei den Lohnkosten sind nur eine der Maßnahmen, die jetzt notwendig sind, um zur Profitabilität zurückzukehren und die Liquidität zu erhalten. Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Investitionen. Und BA wird über den Winter 16 Flieger am Boden lassen und damit seine Beförderungskapazität um 4 Prozent senken.

Kann das reichen? BAs Finanzsituation verschlechtert sich deutlich, ist allerdings noch nicht kritisch. Die Nettoverschuldung verdoppelte sich binnen eines Jahres auf 2,4 Milliarden britische Pfund. Und Analysten gehen von weiteren Verlusten im laufenden Geschäftsjahr aus. Auch für 2011 können Verluste noch nicht ausgeschlossen werden. Damit ist BA aber immer noch weit von seinen Rekordschulden von 6,3 Milliarden Pfund im Jahr 2002 entfernt.

Der Zusammenschluss mit der finanzstarken spanischen Fluglinie Iberia, mit der Gespräche bereits laufen, wäre mit Blick auf die BA-Finanzsituation sicherlich wünschenswert. Die positiven Effekte des Deals könnten bis zu 2 Milliarden Pfund wert sein. Die Krux liegt nur darin, dass je schlechter die wirtschaftliche Situation BAs sich darstellt und je notwendiger die Fusion wird, es umso schwieriger wird, vor dem Hintergrund der damit verbundenen Probleme - wie zum Beispiel dem Defizit im Pensionsfonds - eine Einigung zu erreichen. Die Verhandlungen mit Iberia wurden im BA-Jahresbericht in eine Fußnote verbannt. Es bleibt also nur zu hoffen, dass das kein Hinweis darauf ist, das ernsthafte Verhandlungen auf Eis liegen.

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