Folgen der Kreditkrise
Beziehungsstress

UBS verklagt Tank & Rast, weil der Betreiber von Autobahnraststätten den Verkauf von Übernahmekrediten an Infrastruktur-Konkurrenten angeblich grundlos blockiert. Es ist leicht zu verstehen, warum die Kreditnehmer davor zurückscheuten, auch wenn die Gerichte letztendlich vielleicht zu einem anderen Urteil kommen. Der Schlamassel zeigt, wie schlecht die Beziehungen im Kreditgeschäft mittlerweile geworden sind.

Die Beziehungen im Kreditgeschäft werden von der Kreditkrise auf die Zerreißprobe gestellt. Und zumindest in einer Ecke der Finanzlandschaft sind sie nun völlig zerbrochen. Die schweizerische Großbank UBS verklagt einen ihrer Kunden, die Autobahn Tank & Rast Holding, nachdem der Autobahnraststätten-Betreiber im Besitz der Beteiligungsfirma Terra Firma und des Deutsche Bank-Fonds RREEF den Verkauf eines Übernahmekredits der Bank blockiert hat.

Es ist leicht zu verstehen, warum die Kreditnehmer davor zurückscheuten. UBS, die den Fonds der Deutschen Bank beraten hatte, als er im vergangenen Jahr die Hälfte von Tank & Rast von Terra Firma gekauft hatte, wollte die Kredite an Macquarie und andere Infrastruktur-Fonds weiterverkaufen, berichten mit der Situation Vertraute. Damit wären die Papiere in die Hände der Erzrivalen von Terra Firma gelangt. Sie hätten damit tiefe Einblicke in Tank & Rast nehmen können, während sie gleichzeitig beim Bieten um Vermögenswerte gegen den Raststättenbetreiber angetreten wären. Schlimmer noch: Es hätte den Konkurrenten Tür und Tor öffnen können, Terra Firma unter Druck zu setzen, sollten sich die Bedingungen bei Tank & Rast dramatisch verschlechtern.

In Europa kann ein Darlehensnehmer üblicherweise dem Kapitalgeber, der Übernahmefinanzierungen verkaufen will, die Zustimmung verweigern, wenn er der Ansicht ist, einen legitimen Grund dafür zu haben. Egal zu welchem Schluss das Gericht in diesem Fall letztendlich kommt, zeigt dieser Schlamassel doch bisher am deutlichsten, wie angespannt die Beziehungen aufgrund der Kreditkrise sind.

Zwar haben sich Buyout-Firmen schon aus vereinbarten Übernahmen verabschiedet und zudem Kreditanbieter verklagt, die die Konditionen neu verhandeln oder sich gleich ganz aus den Deals zurückziehen wollten. Aber diese Situation ist noch schlimmer. UBS scheint mehr damit befasst gewesen zu sein, einen relativ kleinen Betrag an Verbindlichkeiten aus ihren Büchern zu entfernen, als sich Gedanken darüber zu machen, welche Auswirkungen dies auf ihren Kunden haben könnte. Und als sich der Kunde gewehrt hat, hat ihn UBS postwendend verklagt.

Die schweizerische Gruppe ist dabei, ihre Investmentbank beträchtlich zu schrumpfen. Dies mag zum Teil eine Rolle bei ihrem Vorgehen gespielt haben. Societe Generale, Barclays und Royal Bank of Scotland halten zwar auch einen Teil der Kredite von Tank & Rast, aber sie treten bei dem Prozess nicht als Kläger auf - zumindest noch nicht. Dies legt nahe, dass einige Banken, obwohl viele Beziehungen an einem seidenen Faden hängen, vielleicht immer noch daran arbeiten, sich auszusöhnen, statt die Verbindung zu kappen.

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