Ford
Der Groschen ist endlich gefallen

Die Ölkrise der siebziger Jahre hatte nichts bewirkt und auch der Aufstieg der japanischen Konkurrenz nicht. Es musste erst zu einem Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts, zu hohen Rohölpreisen und einem Verlust über 8,7 Mrd. Dollar im zweiten Quartal kommen, um den zweitgrößten Autohersteller der USA davon zu überzeugen, sich auf Autos zu konzentrieren, die weniger Benzin verbrauchen als das hundert Jahre alte „Model T“.

Es ist gar nicht so leicht, den Überblick über all die Umstrukturierungspläne zu behalten, die die Autobauer aus Detroit vorstellen. Aber der letzte Kniff in der unendlichen Geschichte um die Kehrtwende von Ford könnte doch der bedeutsamste sein. Er ist zugleich auch der offensichtlichste: die Hinwendung zu kleineren Autos, die beim Kraftstoffverbrauch effizienter sind.

Die Misere hatte sich schon lange angebahnt. Ford und die Konkurrenten Chrysler und General Motors hatten sich mit aller Macht an die überproportionalen Gewinne geklammert, die sie mit dem Verkauf von Benzin fressenden Lastern und Geländewagen einfuhren. Autos schienen da oft nur von untergeordneter Bedeutung zu sein: Während die Ölkrise der siebziger Jahre zwar Verbesserungen erzwang, schraubten die amerikanischen Hersteller immer noch Modelle zusammen, die mehr Benzin verbrauchten als ihre Konkurrenten aus dem Ausland, und zwar selbst dann noch, als sich Toyota und andere anschickten, Marktanteile zu ergattern.

Viele Fahrzeuge, die von den großen Drei aus Motown gebaut werden, würden sich immer noch schwer damit tun, besser als die 25 Meilen pro US-Gallone abzuschneiden, die einige Enthusiasten selbst jetzt noch aus dem Ford-Kultauto Model T herausholen wollen, das erstmals vor hundert Jahren in den Verkauf ging.

Schließlich hat die Realität jüngst aber doch noch zugeschlagen und bei Ford-Chef Alan Mulally und seinem Team zum Umdenken geführt. Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt und die Ausschläge bei den Rohölpreisen haben den Verbrauchern den Appetit auf große Benzinfresser verdorben. Das hat sich bei der Nummer Zwei in Detroit in einem happigen Verlust über 8,7 Mrd. Dollar im zweiten Quartal niedergeschlagen.

Als Reaktion baut Ford jetzt also drei seiner Lkw- und Geländewagenfabriken um, um kleinere Autos herzustellen. Und der Autobauer beendet seine Politik des amerikanischen Isolationismus. Sechs der angesehenen und Benzin sparenden Modelle, die vom Europa-Bereich des Autoherstellers produziert werden, sollen über den Teich gebracht werden. Im Moment handelt es sich dabei, auch wenn sie den gleichen Namen tragen, noch um verschiedene Autos. Ford, so mag es fast scheinen, befindet sich endlich kurz davor, sich eine integrierte globale Plattform anzueignen.

Damit könnte sich die Kehrtwende bei Ford schneller vollziehen als bei GM. Ford ist immer noch mit einem rückläufigen Absatz und anhaltenden Verlusten konfrontiert. Aber da gibt es vielleicht noch ein weiteres europäisches Modell, bei dem es sich lohnen könnte, genauer hinzusehen. Fiat, der italienische Autobauer, der einst schwer zu kämpfen hatte und vor einigen Jahren einer ähnlichen Transformation unterzogen wurde, hat in dieser Woche ermutigende Zahlen vorgelegt. Wenn dies überhaupt einen Rückschluss erlaubt, dann scheint Ford wenigstens auf dem richtigen Weg zu sein.

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