Ford
Ermutigende Bilanzmanöver

Ford legt nach seinen überraschend gut ausgefallenen Ergebnissen mit einer raffinierten Bilanzumstrukturierung nach. Das sollte das Vertrauen der Investoren in die langfristige Planung des Unternehmens stärken.
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Endlich kommen aus Detroit wieder gute Nachrichten, um der heißen Luft Glaubwürdigkeit zu verleihen, die die dort ansässigen US-Autobauer in Hülle und Fülle produzieren. Ford, der einzige Autohersteller aus Motown, der der Insolvenz entgehen konnte, verdient jetzt sogar wieder Geld. Die Firma unter der Leitung von Alan Mulally verbuchte einen beeindruckenden Gewinn von fast einer Mrd. Dollar im dritten Quartal - eine echte Überraschung, da die Analysten der Verkaufsseite im Mittel der Prognosen von einem Verlust von 20 cts je Aktie ausgegangen waren. Das ist ein gutes Vorzeichen für die Rentabilität, wenn der Autoabsatz wieder an Schwung gewinnt. Doch genau so wichtig ist es, dass das Unternehmen nachlegte und zeitlich gut abgestimmte Schritte zur Umstrukturierung der Bilanz ankündigte.

Für die Firma spricht eine ganze Menge. Allein kraft der Tatsache, dass Ford die Chapter 11-Prozedur vermeiden konnte, überholte der Autobauer im öffentlichen Ansehen die Konkurrenten Chrysler und General Motors. Dadurch erhöhte sich in den vergangenen zwölf Monaten der Marktanteil seiner US-Hauptmarken um 2,2 Prozentpunkte - genau so wie durch sein Angebot einiger sehr geschätzter, Kraftstoff sparender Fahrzeuge, die die Kunden ansprechen, die von der Rezession und schwankenden Benzinpreisen verfolgt werden.

Alles in allem trug dies dazu bei, dass Ford mehr Autos verkaufen konnte und dabei weniger Anreize bieten musste - die Verkaufspreise verbesserten sich im Berichtsquartal binnen Jahresfrist laut einer Untersuchung der Deutschen Bank um 1,4 Mrd. Dollar bzw. 2700 Dollar je Fahrzeug. Das amerikanische Äquivalent zur deutschen Abwrackprämie trug zweifelsohne auch zu der Erholung bei. Allerdings ist es ein positives Zeichen, dass sämtliche regionalen Autobereiche von Ford einen Gewinn verbuchten. Und selbst Volvo, über dessen Verkauf Ford gerade mit der chinesischen Geely Automobile in Verhandlungen steht, konnte die Verluste verringern. Und anders als GM verfügt Ford immer noch über die Kontrolle seiner Finanzsparte, deren Drittquartalsgewinn vor Steuern sich mehr als vervierfacht hat und 661 Mill. Dollar erreichte.

Doch es liegt auch noch viel Arbeit vor dem Autobauer. Die Schuldenlast des Unternehmens liegt brutto mit rund 36 Mrd. Dollar - Verbindlichkeiten gegenüber dem Gesundheitsfonds der Gewerkschaften eingeschlossen -, bei rund dem 3,5fachen des im Mittel der Prognosen geschätzten Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen für 2011. Bis zu diesem Zeitpunkt will die Firma nach derzeitigen Prognosen wieder solide rentabel arbeiten. Dies entspricht mehr als dem Doppelten des Vielfachen der umstrukturierten GM. Darüber hinaus muss Ford sein Händlernetz erst noch reduzieren. Und die Mitglieder der Gewerkschaft United Auto Workers haben die jüngste Runde an Vorschlägen zurückgewiesen, mit der ihre Verträge denen der ortsansässigen Konkurrenten angeglichen werden sollten.

Darum sind die jüngsten Bilanzmanöver von Ford besonders ermutigend. Zunächst einmal zahlt Ford bis zu einem Viertel des Anfang des Jahres beanspruchten Kredits über 10,7 Mrd. Dollar zurück. Der Restbetrag soll erst im Jahr 2013 zurückgezahlt werden und nicht wie ursprünglich geplant schon 2011. Gleichzeitig erhöht die Firma das Kapital, um den Verschuldungskoeffizienten weiter zu verringern, indem sie jetzt eine Wandelanleihe über zwei Mrd. Dollar verkauft und einen Plan erstellt, in den kommenden Monaten in kleinen Portionen Stammaktien von bis zu einer Mrd. Dollar anzubieten. Dies sollte das Vertrauen der Investoren weiter stärken, dass Ford sich in der Planung gründlich für einen längerfristigen Erfolg rüstet.

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