Fortgesetzter Kurssturz
Anleger trauen Citigroup nicht

Die Aktien der Citigroup sind am Donnerstag erneut stark gefallen. Auch große Konkurrentinnen wie die Bank of America und JPMorgan verbuchten umfangreiche Abschläge. Dass dafür keine besonderen kursrelevanten Hiobsbotschaften vorliegen, kann die Anleger nicht beschwichtigen. Sie befürchten wirtschaftlich düstere Zeiten, weitere Verluste und ungewisse Zukunftsperspektiven.

Wenn du dort verlierst, kannst du überall verlieren. So zumindest scheinen die Anleger derzeit die Citigroup einzuschätzen. Sie haben den Aktien des Bankenriesen am Donnerstag weitere Verluste zugefügt, denen Einbußen bei den Konkurrentinnen Bank of America und JPMorgan auf dem Fuß folgten. Dass es keine besonderen kursrelevanten Hiobsbotschaften gibt, kann die Investoren nicht beschwichtigen. Sie befürchten wirtschaftlich düstere Zeiten, weitere Einbußen und ungewisse Zukunftsperspektiven.

Zumindest am Donnerstag umzingelten die angsterfüllten Investoren zur Abwechslung einmal diese Institute auf bedrohlichere Weise als die ehemaligen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley, denn die Stärken der Universalbanken wie der Bereich Gewerbeimmobilien, Verbraucherkredite und die Kreditvergabe an Unternehmen sehen allesamt anfällig aus, während sich das Bild, das die Konjunkturindikatoren zeichnen, sich eintrübt.

Ein Problem dabei ist, dass die jüngste Finanzgeschichte der Banken nicht wirklich dazu beiträgt, als Richtlinie für die Zukunft zu dienen. Die Kreditverluste, die sich bereits aufgetan haben, haben im negativen Sinne fast alle Erwartungen übertroffen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass zum Beispiel die Einbußen im Zusammenhang mit Hypothekendarlehen vollständig berücksichtigt worden sind, sorgen sich die Investoren dennoch, dass Abschreibungen auf andere Arten der Vermögenswerte folgen könnten - in gleichermaßen unerwartetem Umfang. Der Informationsgehalt der Bankbilanzen ist daher ziemlich gering.

Eine andere Schwierigkeit liegt darin, dass nur die Götter wissen, wie die Ertragskraft der Finanzfirmen in der Ära nach der Krise aussehen mag, wenn die Hebelwirkung, die durch den Einsatz von Fremdkapital entsteht, nur noch in geringerem Maß zur Verfügung stehen wird, und die Märkte allgemein weniger gut einzuschätzen sein werden. Dadurch werden die Bewertungen, die auf den Ergebnissen basieren, genau so unverlässlich wie die Einschätzungen, die sich auf die Vermögenswerte stützen. Und schließlich werden die Anleger immer skeptischer, was die Sanierungspläne angeht, die den Verkauf von Vermögenswerten oder Kapitalerhöhungen vorsehen.

Trotzdem ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Citigroup oder ihre anderen großen Rivalinnen letztendlich zusammenbrechen. Auch wenn ihre Marktkapitalisierungen dahin schmelzen - die von Citigroup liegt jetzt bei unter 30 Mrd. Dollar - bleiben sie dennoch zu groß, um zu scheitern. Aber zusätzliche Liquiditätsspritzen durch die US-Regierung könnten den Aktionären genau so schaden, indem sie sie einer Verwässerung, möglicherweise bis zum Nullpunkt, aussetzen.

Es gibt Erholungsszenarien, aber herzlich wenige Anleger haben die Nerven, auf sie zu setzen. Ihnen geht es jetzt ausschließlich um sichere, relativ vorhersehbare Investitionen, bei denen man kein Geld mehr verliert. Dieses Gefühl mag vielleicht jetzt besonders akut sein, da ein ermüdendes Jahr 2008 sich seinem Ende zuneigt und damit für die meisten Marktteilnehmer auch das Ende ihres Berichtsjahrs naht.

Es ist kein Wunder, dass Citigroup-Chef Vikram Pandit versucht, dass das US-Verbot auf Leerverkäufe von Finanztiteln wieder eingesetzt wird. Das ist zwar vergebliche Liebesmüh, aber Pandit hat vielleicht das Gefühl, dass die Investoren das Vertrauen in ihn verlieren, wenn er nicht irgendetwas unternimmt. Auf jeden Fall wird der Bank, die ihrer Werbeabteilung zufolge niemals schläft, auch in nächster Zeit keine Ruhepause vergönnt sein.

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