Fortis
Freunde gesucht

Die belgisch-niederländische Bank Fortis nimmt weitere zwei Milliarden Euro auf, um ihre Kapitalbasis zu verbrei-tern. Offensichtlich trennt sie sich dafür von einem Teil ihrer Vermögensverwaltungsaktivitäten. Subprime-Probleme haben zu dieser Entscheidung beigetragen. Die Hauptursache liegt jedoch in der von Fortis teuer bezahlten Über-nahme von ABN Amro.

Fortis plündert mal wieder sein Sparschwein. Diesmal scheint das kapitalknappe Finanzdienstleistungs¬konglomerat sein Vermögensverwaltungsgeschäft zu versetzen – das es zum Teil erst gerade von ABN übernommen hatte. Wie es heißt, will der Konzern einen Anteil an diesem Geschäftsfeld an Ping An verkaufen, den chinesischen Versicherer, der mit 4 Prozent an Fortis beteiligt ist. Es sieht so aus, als ob die ABN-Amro-Tochter die Suppe jetzt auslöffeln muss.

Schon richtig, der zu hohe Preis für ABN ist nicht der einzige Grund für die sich abzeichnende Kapitalklemme bei Fortis. Der Konzern gehört auch zu den Opfern der Subprime-Krise – Abschreibungen auf zweitklassige Kreditkonstrukte in Höhe von 2,7 Milliarden Euro haben beim Bankenarm des Konzerns im vierten Quartal zu einem Verlust von 900 Millionen Euro geführt.

Das sind allerdings kleine Fische, wenn man zum Vergleich die Zahlen heranzieht, die der ABN-Amro-Deal beisteuert. Das gesamte Ausmaß der Bürde wird Fortis allerdings erst dann zu spüren bekommen, wenn die Verhandlungen mit Mitbieter Royal Bank of Scotland abgeschlossen sind und klar ist, wer welchen Teil von ABNs niederländischen Geschäftsaktivitäten übernehmen wird. Das wird endgültig erst 2009 der Fall sein. Dann aber wird Fortis Kapitalbasis ertragen müssen, was es heißt, eine Bank zum 17-fachen ihrer erwarteten Erträge zu kaufen, die heute nur noch die Hälfte wert ist, wenn man das Kurs-Gewinn-Verhältnis zugrunde legt, zu dem vergleichbare Banken aus den Beneluxländern gegenwärtig gehandelt werden. Der Konzern muss sich darauf einstellen, heftige 19 Milliarden Euro auf den Goodwill abzuschreiben.

Für Fortis allein wird dieser Brocken nicht zu schlucken sein, vor allem dann nicht, wenn der Subprime-Schuh weiter drückt. Moody’s und Standard & Poor’s haben den Konzern bereits auf ihre Beobachtungsliste für Ratingherabstufungen gesetzt. Ein Abschluss mit Ping An könnte ein Weg sein, die Rating-Agenturen bei Laune zu halten, ohne erneut die Aktionäre bitten zu müssen, die im vergangenen Jahr schon 13 Milliarden Euro frisches Kapital beige¬steuert haben.

Der Weg nach China wirkt vielleicht weit, um nach neuen Freunden zu suchen. Aber der alte Kamerad von letztem Jahr, Spaniens Santander, hat schon ein bisschen ausgeholfen. Die Bank übernahm ABNs brasilianische Vermögensverwaltung von Fortis für den üppigen Preis der 18-fachen historischen Gewinne. Der andere Spezi, RBS, hat selbst mit Kapitalknappheit zu kämpfen und muss wohl eher verkaufen als Fortis mit einem Kauf unter die Arme greifen zu können. Fortis kann nur hoffen, dass sich sein neuester Freund als beständiger erweist.

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