Fortis
Glaube mir

Kehrtwende bei Fortis – jetzt fehlt also doch Kapital. Die belgisch-niederländische Bank munterte ihre Aktionäre im Januar noch mit der selbstsicheren Behauptung auf, sie brauche keine zusätzlichen Barmittel, um ihre ABN-Amro-Prasserei bezahlen zu können. Jetzt kommt sie mit einer Kapitalerhöhung um 1,5 Milliarden Euro und streicht die Dividende. Die Kehrtwende untergräbt das ohnehin schon stark gebeutelte Vertrauen in die Branche weiter.

"Nicht dass du mich belogst, sondern dass ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert." Dieser Satz von Friedrich Nietzsche scheint heute nur zu gut auf Banken zu passen. Die jüngste Kehrtwende machte jetzt Fortis, indem sich die Bank von ihrer früheren Beteuerung verabschiedete, trotzt des 24 Milliarden Euro teuren ABN-Amro-Kaufrauschs keine zusätzlichen Barmittel mehr zu benötigen.

Der belgisch-niederländische Bancassurer will nun 1,5 Milliarden Euro neue Aktien auf den Markt bringen und wird die Aktien damit voraussichtlich um weitere 5 Prozent verwässern. Die Kapitalaufnahme erfolgt zusätzlich zur 12-Milliarden-Euro-Kapitalerhöhung vom vergangenen Jahr, mit der die Bank die ABN-Übernahme finanzierte. Auch die 1,3-Milliarden-Euro-Zwischendividende wird dem Liquiditätsengpass zum Opfer gebracht. Zusätzlich denkt man bei Fortis darüber nach, Vorzugsaktien zu emittieren und Vermögenswerte, die nicht zum Kerngeschäft gehören sowie Immobilien zu verkaufen.

Die Kehrtwende wurde auch darum notwendig, weil sich herausstellte, dass man beim erzwungenen Verkauf von niederländischen Vermögenswerten aus der ABN-Akquisition von falschen Voraussetzungen ausging. Fortis rechnete mit einem Gewinn. Inzwischen sieht es ganz danach aus, dass der Preis stattdessen 300 Millionen Euro unter dem Inventarwert liegen wird. Hinzu kommt, dass Fortis verbundene Kreditrisiken in Höhe von zehn Milliarden Euro zurückbehalten wird. Die Bank entschied darüber hinaus, ein gemeinsames Unternehmen mit einem holländischen Versicherer in die eigene Regie zu übernehmen und den Partner auszuzahlen.

Vielleicht kann Fortis glaubhaft argumentieren, dass diese Entwicklung genauso wie die heutigen Marktbedingungen zu Jahresbeginn noch nicht abzusehen waren. Abgesehen von der Verzögerung hat das Unternehmen die richtigen Schritte unternommen, um Kapitalbasis und Zahlungsfähigkeit zu stärken, das Kernkapital auf eine Tier-1-Quote von sieben Prozent anzuheben und eine 3-Milliarden-Euro Reserve als Polster gegen weitere zukünftige Schocks zu bilden.

Aber dennoch scheinen die Fortis-Anleger, von denen viele eine weitere deutliche Kapitalerhöhung erwartet hatten, die Nachricht sehr schlecht aufgenommen zu haben. Die Aktien fielen um 15 Prozent. Das ist kein gutes Zeichen für das Fortis-Management, das versuchte den Eindruck zu vermitteln, dass die ABN-Amro-Integration planmäßig verläuft, das Kerngeschäft stark ist und keine weiteren Kreditabschreibungen mehr zu erwarten seien. Aber die Aktionäre, so scheint es, wollen ihm einfach nicht glauben.

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