Französische Banken
BNP wettert Sturm besser ab als SocGen

Ein recht konservatives Geschäftsmodell und die geringe Exposition bei US-Firmenkunden haben Frankreichs größter Bank BNP Paribas dabei geholfen, die Kreditkrise besser zu überstehen als die Société Générale. Trotzdem wird BNP noch mit einem Abschlag auf den Erzrivalen gehandelt.

Französische Banken bestehen darauf, dass die Kreditkrise auf ihre Gewinne nur eine begrenzte direkte Auswirkung habe. Inzwischen scheinen Zahlen diese Behauptung zu belegen. BNP Paribas geriet zwar in die Verlegenheit, zu Beginn der Krise drei Geldmarktfonds zeitweilig schließen zu müssen. Sowohl der französische Branchenprimus als auch Erzrivale Société Générale haben den Sturm an den Märkten aber weitgehend überstanden. BNP meisterte die Krise sogar noch etwas besser als SocGen.

BNP weist für das dritte Quartal einen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21 Prozent gestiegenen Nettogewinn aus, obwohl die Kreditkrise nach Schätzung der Bank das Ergebnis um 300 Millionen Euro verringert hat. Die Gewinne der Société Générale dagegen fielen um zwölf Prozent, vor allem wegen eines 40-prozentigen Gewinnrückganges im Geschäftsbereich Firmen- und Investmentbanking. Insgesamt musste SocGen Abschreibungen von rund 400 Millionen Euro vornehmen, über die Hälfte davon werden auf die direkte Exposition im Markt für nachrangige Hypothekenpapiere zurückgeführt.

Die bessere Entwicklung der BNP belohnt den Konservatismus des Hauses und seine Eigenart, sich von den meisten aggressiven Wachstumsstrategien fernzuhalten. Der Umsatz in Bereich Firmen- und Investmentbanking stieg im dritten Quartal um zehn Prozent, vor allem dank der geringen Exposition in den USA und der Natur der BNP-Kompetenzen, die vorrangig im Bereich Aktien und Zinsderivate liegen. Außerdem betreibt die Bank nur in begrenztem Umfang Eigenhandel, der beim Rivalen SocGen ein Drittel des Umsatzes im Firmen- und Investmentbanking ausmacht.

Trotz aller Vorsicht musste auch BNP Abschreibungen von 200 Millionen Euro im Geschäft mit fremdfinanzierten Firmenübernahmen vornehmen. Mehr als die Hälfte davon geht aber allein auf Zusagen zurück, die BNP für die 2,3-Milliarden-Euro-Übernahme des Wäschereidienstleisters Elis durch Eurazeo abgegeben hatte. Dies war die letzte große fremdfinanzierte Übernahme in Europa, bevor die Kreditkrise wie ein Blitz an den Märkten einschlug.

Die weise, altmodische BNP-Strategie könnte erklären, warum der Aktienkurs der Bank in den letzten sechs Monaten um „nur“ 18 Prozent gefallen ist, während die SocGen-Aktie um 34 Prozent einbrach. Die Bewertungslücke zwischen den Rivalen ist damit aber noch nicht geschlossen, auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses wird BNP mit einem Abschlag von 13 Prozent auf SocGen gehandelt. Um diese Lücke zu schließen, müsste BNP-Chef Baudoin Prot die Anleger entweder von den Vorzügen des Konservatismus überzeugen – oder die SocGen-Aktie müsste weiter fallen.

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