Französische Banken
Sarkozy`s Sündenbock geht

Der langjährige Präsident der Societe Generale nimmt seinen Hut. Als Grund nennt Daniel Bouton die zahlreichen persönliche Angriffe gegen seine Person. Er hält die ständigen Beschimpfungen von Staatspräsident Sarkozy nicht mehr länger aus.
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Was macht Nicolas Sarkozy bloß, wenn er nicht mehr auf Daniel Bouton herumhacken kann? Im Verlauf des vergangenen Jahres wurde der Chairman der Société Générale zum bevorzugten Sündenbock des französischen Präsidenten. Er verkörperte für ihn all das in einer Person, was ein Banker nur falsch machen kann. Ein gefundenes Fressen für Medien und Politiker, die Bouton zum Inbegriff von Gier, Arroganz und Unverantwortlichkeit machten.

Jetzt ist Bouton zurückgetreten. Aber er geht nicht schweigend und er begründet seinen Entschluss mit den "wiederholten Attacken" gegen seine Person, die letztendlich der Bank Schaden zufügen könnten. Das Blatt hat sich gewendet und die ruhmreichen Jahre scheinen vergessen, in denen sein Institut selbst unter Konkurrenten als - wie einer es ausdrückte - die "Formel Eins der europäischen Bankenszene" galt.

Es fällt schwer, nicht wenigstens ein bisschen Sympathie für Bouton zu empfinden. Der Kerviel-Betrug kostete SocGen 2007 wahrscheinlich 5 Milliarden Euro und die Bank litt, wie auch andere, unter der Finanzkrise. Aber Bouton verlässt ein Unternehmen, dem es dennoch gelang, das vergangene Jahr mit einem Gewinn von 2 Milliarden Euro abzuschließen. Dennoch konnte sich Bouton nie vollständig vom Kerviel-Skandal erholen. In dem Moment, in dem er zugeben musste, dass die so großartige, von ihm aufgebaute Bank gegenüber den Machenschaften eines Junior-Traders machtlos war, wurde er zum Lieblingsbanker, gegen den sich die Wut der Franzosen richtete.

Sarkozy brauchte nach dem Kerviel-Debakel einen Schuldigen, dessen Kopf rollen sollte. Also forderte er öffentlich den Rücktritt Boutons. Die Führungsmannschaft SocGens stand zunächst geschlossen hinter Bouton. Aber innerhalb weniger Monate sah er sich aus dem Tagesgeschäft und in eine Aufsichtsrolle gedrängt. Seine mangelnde Kommunikationsfähigkeit - vor allem seine zögerliche Informationspolitik - wurde in einem Bullenmarkt noch als inkonsequent gebrandmarkt und erwies sich in der Krise als schwerwiegendes Handicap.

Jede schlechte Nachricht von SocGen, angefangen vom Engagement in Osteuropa bis hin zum schwachen Ergebnis der Vermögensverwaltung, wurde für die Regierung zum Signal, auf den Chairman einzuschlagen. Für einige Fehlentscheidungen der Bank muss Bouton die Verantwortung tragen. Nicht zuletzt für ein zeitlich schlecht geplantes Aktienoptionsprogramm, dass den Eindruck erwecken musste, die Manager nutzten die schwache Börse, um sich selbst die Taschen zu füllen.

Boutons Abschied sollte jedoch nicht als Sieg für eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung gefeiert werden. Er ist vielmehr eine Warnung, dass kein Banker erfolgreich genug sein kann, um nicht in Nicolas Sarkozys Visier zu geraten und besiegt zu werden. Der Spitzenriege der französischen Bankenmanager bleibt die Hoffnung, dass sich Sarko jetzt, wo er zumindest einen Skalp gewonnen hat, wichtigeren Dingen zuwendet als zu entscheiden, wer eine Bank zu führen hat.

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