Französische Immobilien
Liberty, égalité, fraternité

Britische Einkaufszentren seien wie “Supertanker”, schwärmt der Immobilieninvestor Liberty. Sie pflügten sich durch den Abschwung und verzeichneten nur moderate Blessuren am Nettovermögenswert. Aber billigere Kredite und ein robustes Wachstum führen dazu, dass die französischen Branchenkollegen gar nicht erst in schwieriges Fahrwasser geraten. Die Investoren könnten Frankreich als Ankerplatz bevorzugen.

Liberty International ist ein Supertanker, sagt zumindest der Chef des Investors in Einzelhandelsimmobilien. Mit einer 6,5 Mrd. Pfund Sterling umfassenden Liste an ersten Adressen unter den britischen Einkaufszentren ist Liberty geradewegs durch die jüngst für britische Immobilien schwere See gepflügt und hat lediglich Verluste über fünf Prozent beim Nettovermögenswert verbucht. Verglichen mit einem Rückgang um 16 Prozent bei British Land und einem branchenweiten Mittel von minus zwölf Prozent, sieht Liberty wie ein geschützter Unterstand aus, in dem sich der Sturm gut überstehen lässt.

Die Frage ist, wie gut. Die Aktien von Liberty werden mit einem Abschlag von 23 Prozent gegenüber dem Nettovermögen bewertet. Sie könnten als billig gelten, aber die pessimistischen Prognosen für den Einzelhandel lassen darauf schließen, dass die Firma wohl kaum noch einmal einen Anstieg der Mieten um zehn Prozent wie im vergangenen Jahr verzeichnen wird. Sie könnten 2008 sogar um ein Prozent zurückgehen, schätzt JPMorgan. Die Investoren scheinen der Ansicht zu sein, dass der Supertanker Liberty zwar nicht sinkt, aber dass es einige Zeit dauern wird, bis er umdrehen und wieder wachsen kann.

Wenn dem so ist, dann gibt es möglicherweise bessere Investitionsmöglichkeiten. In Frankreich, zum Beispiel, zeigen sich die Immobilien von der Kreditkrise relativ unbeeindruckt. Die Preise der Vermögenswerte sind nicht gefallen. Die Aktienkurse dagegen schon, aber durchschnittlich nur um etwa die Hälfte der in Großbritannien verzeichneten Einbußen von 35 Prozent. Die Aussichten für beide Volkswirtschaften sind derzeit schwach, aber Frankreich dürfte sich nicht schlechter entwickeln als Großbritannien.

Klépierre, der französische Doppelgänger von Liberty, könnte ein besserer Ankerplatz sein. Die Aktien des Immobilieninvestors verzeichneten geringere Kursausschläge als die von Liberty. Die Anleger scheinen der Meinung zu sein, die Gesellschaft liege auf dem richtigen Kurs. Nach der Vorlage der Unternehmensergebnisse vor zwei Wochen wiesen die Aktien Abschläge von 14 Prozent gegenüber dem Nettovermögenswert auf.

Die Marktkapitalisierung von Klépierre ist nur um elf Prozent größer als die von Liberty, aber die Franzosen sind viel schneller unterwegs. Das Unternehmen hat Entwicklungsprojekte über 3,8 Mrd. Euro in der Pipeline, verglichen mit einem Programm über 400 Mill. Euro von Liberty. Die niedrigeren Kreditkosten in der Eurozone sollten höhere Renditen auf umfangreichere Investitionen einbringen.

Die geplanten Projekte könnten nach den Berechnungen von Citigroup dem Buchwert pro Aktie von Klépierre ein Plus von zehn Prozent bescheren. Zwar werde sich das Nettovermögen nicht wieder um 26 Prozent erhöhen wie im vergangenen Jahr, aber immerhin sei 2008 ein Zuwachs um sieben Prozent möglich.

Selbst wenn sich die Flaute bei britischen Immobilien nur als Korrektur herausstellt – und nicht als Crash -, sind die Aussichten doch höchst ungewiss. Das Beste Großbritanniens könnte nicht so attraktiv sein wie das Feinste in Frankreich.

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