Französischer Spirituosenproduzent
Opportunistischer Schuldenabbau bei Pernod Ricard

Pernod Ricard holt durch eine Kapitalerhöhung und den Verkauf seiner Bourbon-Whiskey-Marke Wild Turkey mehr als 1,4 Milliarden Euro in die Kasse. Warum? Weil er 2008 für teures Geld Absolut Vodka akquirierte. Damit gehört Pernod zumindest zu den ersten europäischen Konzernen, die ihre Aktionäre anzapfen, um Schulden zu reduzieren.
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Pernod Ricard hat keine Zeit verloren den Markt davon zu überzeugen, dass der Schuldenabbau ernst gemeint ist. Mit dem Verkauf der Bourbon-Whiskey-Marke Wild Turkey an den italienischen Konkurrenten Campari fängt Pernod Ricard früh an, seine im vergangenen Jahr aufgestellten Veräußerungspläne umzusetzen. Der Preis von 430 Millionen Euro kann sich durchaus sehen lassen. Pernod nutzt auch das offensichtliche Tauwetter an der Börse, um sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung eine Milliarde Euro zusätzlich zu beschaffen. Während der Boomjahre häufte Pernod Schulden im Umfang von 13 Milliarden Euro auf. Jetzt scheint das Unternehmen die Gelegenheit zu nutzen, das Problem zu reduzieren. Auf diese Weise dürften die Kreditkosten wieder sinken und Pernod eine willkommene Atempause verschaffen, nachdem das Unternehmen 2008 auf Junk-Status herab gewertet wurde.

Pernods Einkaufstour während der Haussephase kulminierte vor einem Jahr in der teuren Akquisition von Absolut Vodka, für die das Unternehmen dem schwedischen Staat 5,6 Milliarden Euro zahlte - zu einem Zeitpunkt also, als die Kreditklemme den Markt mit voller Wucht traf. Zur gleichen Zeit versprach Pernod, seine Schulden/EBITDA-Quote bis Juni 2011 von 6 auf 4 zu verringern. Mit dem Verkauf von Wild Turkey erreicht Pernod zwei Drittel seiner geplanten Vermögensveräußerungen und reduziert die Schulden auf etwa das Fünffache seiner Gewinne (EBITDA).

CEO Pierre Pringuet hat mit einem freien Cashflow in Höhe von einer Milliarde Euro sein Ziel einer zweistelligen Wachstumsrate des Nettoergebnisses in diesem Geschäftsjahr noch einmal bekräftigt, allen Widrigkeiten des - wie er es bezeichnet - deutlichen Wirtschaftseinbruchs zum Trotz. Die Prognose beruht auf der Hoffnung, dass die US-amerikanischen Verbraucher, die jetzt den Bars den Rücken kehren, zuhause weiter Absolut trinken, dass die Europäer die "geistigen Werte" während der Rezession hoch halten und dass China seine Begeisterung für Mumm-Sekt und Martell-Cognac nicht zügelt.

Pringuet ist absolut überzeugt davon, dass die Konsumenten ihre Trinkgewohnheiten während des Abschwungs nicht dramatisch ändern werden. Also vermeidet er es, das Image der Pernod-Premiummarken durch Preissenkungen zu beschädigen, nur um Marktanteile zu verteidigen. Sein Ansatz ist nicht ohne Risiko. Wenn die Rezession sich als schlimmer herausstellt, als das Unternehmen erwartet, muss Pernod drastischere Schritte einleiten, um sein Territorium zu verteidigen. Das wiederum könnte bedeuten, dass die Margen sinken - und die Schulden langsamer abnehmen.

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