Fred Kindle tritt ab
ABB-Strategie mit Fragezeichen

Bei ABB sind alle Scheinwerfer auf die Unternehmenspolitik gerichtet. CEO Fred Kindle, unter dessen Leitung der Schweizerische Elektrotechnikkonzern einen drohenden Bankrott vermeiden und zum kerngesunden Unternehmen aufsteigen konnte, hat das Unternehmen verlassen. Als Grund nannte er „unüberbrückbare Differenzen“ mit dem Verwaltungsrat.

Bei ABB sind alle Scheinwerfer auf die Unternehmenspolitik gerichtet. CEO Fred Kindle, unter dessen Leitung der Schweizerische Elektrotechnikkonzern einen drohenden Bankrott vermeiden und zum kerngesunden Unternehmen aufsteigen konnte, hat das Unternehmen verlassen. Als Grund nannte er „unüberbrückbare Differenzen“ mit dem Verwaltungsrat.

Obwohl das Unternehmen gleichzeitig Rekordergebnisse für das vierte Quartal vorankündigte, zeigten sich die Anleger von Kindles Exit irritiert und schickten die ABB-Aktie um acht Prozent nach unten. Als Anlass der Differenzen gilt ABBs potenzielle Kriegskasse in Höhe von 14 Milliarden Doller, über deren Einsatz man sich offensichtlich nicht einigen konnte.

Vor fünf Jahren stand ABB ganz anders da. Die aggressive Akquisitionsstrategie in den 1990er-Jahren drohte das Unternehmen in die Knie zu zwingen. 2002 saß ABB auf gewaltigen Asbest-Verbindlichkeiten und die Börsenbewertung entsprach einem Zerschlagungswert von einer Milliarde Dollar. Dank radikaler Umstrukturierungsmaßnahmen und mit einem vorsichtigen Managementstil gelang es, den Marktwert des Unternehmens wieder in die Nähe von 57 Milliarden Dollar zu rücken.

Kindle schaffte den Turnaround nicht allein, während seiner dreijährigen Amtszeit stand er jedoch für den vorsichtigen Führungsstil, durch den das Unternehmen sich rehabilitieren konnte. Mit den hohen Reserven in der Hinterhand sind Akquisitionen seit zwölf Monaten wieder Gesprächsthema und Kindle traute man zu, dafür zu sorgen, dass Übernahmen nicht zu teuer werden. Anleger rechen sich jetzt aus, dass sein plötzlicher Weggang der erste Schritt zurück zur alten aggressiven Akquisitionspolitik sein könnte, an der sich ABB schon früher die Finger verbrannte.

Die Berfürchtung ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Der kürzlich zum Verwaltungsratspräsidenten berufene Hubertus von Grünberg, Aufsichtsratsvorsitzender der Continental AG, ist auch unter dem Namen „Der Weiße Hai“ bekannt. Den Spitznamen hat er sich beim deutschen Automobilzulieferer Continental mit der schnellen Umsetzung von Expansionsprogrammen verdient. Kindle und der Große Weiße haben vielleicht in den vergangenen neun Monaten friedlich koexistiert, solange der Markt noch Übernahmeprämien in luftigen Höhen verlangt. Inzwischen aber fallen die Bewertungen und es sieht ganz danach aus, als ob Bulle und Bär darüber aneinandergeraten sind, auf welchem Weg der Schweizer Konzern jetzt voranschreiten soll. Investoren sind mit Akquisitionen einverstanden, die Frage, wann und wie sie durchgeführt werden, macht aber nervös.

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