Freddie Mac
Alptraum auf der Hauptstraße?

Freddie Mac war eingerichtet worden, um den Hypothekenmarkt mit zu stabilisieren. Nach einem Quartalsverlust von über zwei Mrd. Dollar muss der Immobilienfinanzierer das Kapital erhöhen. Wenn das nicht ausreicht, muss Freddie Mac vielleicht seine Bilanz zusammenstreichen. Das würde den US-Immobilienmarkt noch mehr in Aufruhr versetzen.

Eine neue Woche und ein neuer Schlag für den amerikanischen Immobilienmarkt. Dieses Mal sind es die Drittquartalsergebnisse von Freddie Mac, die den Schmerz ausgelöst haben. Wahrscheinlich sollte es nicht überraschen, dass der zweitgrößte Immobilienkäufer der USA gestolpert ist, auch wenn der Verlust über zwei Mrd. Dollar die Analysten sicher auf dem falschen Fuß erwischt hat. Sie waren im Mittel der Prognosen davon ausgegangen, dass Freddie Mac fast die Gewinnschwelle erreichen wird. Aber die Schwierigkeiten des Hypothekenriesen könnten dem Markt sogar noch mehr zusetzen.

Wie das? Nun, der Immobilienfinanzierer war ja, zusammen mit dem Konkurrenten Fannie Mae, gerade deswegen eingerichtet worden, um eine volatile Verfassung des Hypothekenmarkts, wie sie gerade die USA erschüttert, abzufedern. Aber durch die jüngsten Verluste ist die Kapitalbasis von Freddie Mac auf ein Niveau gesunken, das gerade einmal um 600 Mill. Dollar über dem Polster von 30 Prozent über den Mindestanforderungen liegt, das die Regulierungsbehörde Office of Federal Housing Enterprise Oversight vorschreibt.

Das bedeutet, dass in den Bilanzen von Freddie Mac kein Spielraum mehr dafür bleibt, auch nur zu versuchen, den US-Immobilienmarkt durch den Kauf von mehr Krediten zu stützen. Tatsächlich hat die Gesellschaft in den letzten zwei Monaten des Quartals sogar Hypotheken über 45 Mrd. Dollar verkauft. Und da mit weiteren Abschreibungen und Verlusten zu rechnen sein könnte, ist Freddie Mac in der unbequemen Lage, mehr Kapital auftreiben zu müssen.

Damit steht Freddie Mac nicht alleine da. Auch Branchenkollegen wie Countrywide, Citigroup und Washington Mutual müssen sich vielleicht bald kleinlaut an die Märkte wenden. Laut Freddie Mac wolle man das in großem Umfang und “sehr kurzfristig” anpacken – ohne Zweifel noch vor Jahresende. Das wird nicht einfach werden. Die Investoren geraten derzeit bei sämtlichen Anlagen, die mit Hypotheken zu tun haben, nicht gerade in Verzückung. Und viele machen ihre Läden gerade für den Rest des Jahres dicht – das ist im November für den Eigenhandel und die Investmentbereiche einer Hand voll Firmen in der Wall Street einfach so. Auf jeden Fall wird Freddie Mac einiges drauflegen müssen, um Käufer zu finden – ganz besonders, weil der Aktienkurs des Unternehmens nach der Ankündigung dieser Pläne um ganze 30 Prozent gefallen ist.

Es gibt keine Garantie, die Freddie Mac über Wasser halten wird – in diesem Fall muss das Unternehmen entweder noch mehr Kapital sammeln oder ihre Bilanz schrumpfen. Letzteres könnte den bereits angegriffenen US-Immobilienmarkt aber vollends verkrüppeln. Die meisten Kapitalgeber haben neue Hypotheken auf Darlehensnehmer beschränkt, die die Standards von Freddie Mac und Fannie Mae erfüllen. Wenn eine dieser beiden Gesellschaften sie nicht kauft, werden noch weniger Darlehen ausgereicht. Das könnte dann die Hauspreise noch weiter drücken – und die Hypothekenkrise in diesem Jahr wird im Nachhinein wie ein Kinderspiel aussehen.

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