Freddie und Fannie
Immer noch ein Verkauf

Bei dem von der US-Notenbank gestützten Verkauf von Bear Stearns für zehn Dollar je Aktie hat jeder, der vor einem Jahr Aktien der Investmentbank gehalten hatte, mehr als 90 Prozent seines Geldes verloren. Selbst vor einer von der Regierung eingefädelten Rettungsaktion sitzen die Eigentümer von Fannie und Freddie jetzt schon in demselben Boot. Schuld daran sind ein selbstgefälliges Management, eine schwache Aufsicht und Konflikte.

Ein selbstgefälliges Management, weil die Führungskräfte selbst nach den Bilanzierungsskandalen der beiden so genannten Government-Sponsored Enterprises (GSEs) in den vergangenen Jahren nicht recht darüber im Bilde zu sein schienen, welche Risiken die beiden Giganten eigentlich eingegangen sind. Diese kamen erst ans Tageslicht, als der US-Immobilienmarkt in die Knie gegangen ist.

Wegen der Bilanzierungsprobleme sind zwar tatsächlich einige Köpfe gerollt. Aber die Top-Manager beider Unternehmen sind immer durch ihren kapitalkräftigen Einfluss in Washington abgesichert worden. Dies hat auch dazu beigetragen, sicherzustellen, dass die Aufsicht nicht zu hart durchgegriffen hat. Per saldo ist eine unangemessene Kapitalisierung dabei herausgekommen, die es den Chefs, und zu einem gewissen Ausmaß, den Aktionären ermöglicht hat, in guten Zeiten angenehm zu leben, die jetzt aber auf die Urheber zurückfällt.

Selbst nach der jüngsten Gesetzgebung des US-Kongresses, mit der die Aufsicht verschärft und im Gegenzug dem US-Finanzministerium unter Hank Paulson ein Blankoscheck ausgestellt werden sollte, die GSEs zu retten, liegen keine konkreten Forderungen an Fannie und Freddie vor, in irgendeiner Weise das Kapital vorzuweisen, wie es eine Bank halten müsste.

Und damit kommen wir zu den dem GSE-Modell inne wohnenden Konflikten. Diese Gesellschaften profitieren von De facto-Beihilfen und wünschen als diejenigen betrachtet zu werden, die dabei helfen, den "amerikanischen Traum" vom eigenen Haus umzusetzen - zufälligerweise ein politisches Ziel, das in Frage zu stellen, auf dem politischen Parkett gefährlich ist. In den gegenwärtig harten Zeiten werden sie mehr oder weniger zu Instrumenten der US-Regierung.

Dies lässt sich aber nicht mit einer umsichtigen und rentablen Kreditvergabe in Einklang bringen, die den Aktionären zu Gute kommen soll. Aber es war ja schon lange offensichtlich, dass Fannie und Freddie nicht nach den üblichen Regeln spielen müssen. Jetzt, da immer mehr Stimmen laut werden, eine Rettung, ja sogar eine komplette Verstaatlichung, stehe kurz bevor, bleiben die Aktionäre vielleicht mit fast völlig leeren Händen zurück. Ihre Aktien bewegen sich stramm auf ein Zwanzig-Jahrestief zu. Es spiegelt die jüngste Entwicklung bei beiden Unternehmen auf das Traurigste wider, dass sich die ehemaligen Eigentümer von Bear vielleicht schon bald geradezu glücklich schätzen werden, dass sie sich damals für ihre Investitionen nicht die GSEs, sondern Bear ausgesucht hatten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%