Freiwillige Selbstkontrolle
Signalkodex gegen Regulierungswut

Investmentbanken wollen sich auf Regeln einigen, die Ausschüttungen an ihre Händler zu überwachen. Solche freiwilligen Kodizes sind der letzte Schrei – ob Staatsfonds, Beteiligungsgesellschaft oder Hedgefonds, alle experimentieren mit der freiwilligen Selbstkontrolle. Zweck der Übung: Man will die staatlichen Behörden auf Abstand halten. Das Problem nur: Wer spielt Polizei für die selbstgemachten Standards.

Die Aussicht gehängt zu werden, hilft dem Geist wunderbar bei der Konzentration. Samuel Johnsons Beobachtung trifft gegenwärtig auf viele Finanzbereiche zu – die Aussicht auf äußerst scharfe Gesetze führt zur klaren Vision, dass eine weniger schmerzhafte Selbstbeschränkung notwendig ist.

Das Institute of International Finance (IIF), ein Zusammenschluss großer internationaler Banken, ist der Letzte, der das erkannt hat. Die Mitglieder wollen nach Berichten der Financial Times am heutigen Mittwoch über einen Verhaltenskodex für die Vergütung von risikobehafteten Transaktionen beraten. Ziel ist es, eine Reihe von Regeln zu verabschieden, die einseitige Zahlungsvereinbarungen verhindern: Glück für den Händler, wenn er richtig liegt, ein Schlamassel für die Bank und die Behörden, wenn er daneben greift.

Noch drohen die Politiker nicht mit drakonischen Einschränkungen. Es gibt aber Kommentatoren, die bereits davor warnen, dass die Banken mit Mitteln, die de facto durch den Staat garantiert sind, zu große Risiken eingehen. Übersetzt man diese Ansicht in ein Gesetz, so könnten die Multimillionen-Dollar-Boni für die Trader bald der Geschichte angehören. Da ist es schon besser, dem Staat mit ein paar milderen Einschränkungen zuvorzukommen.

Die Banker sind nicht die einzige Gruppe, die glaubt, dass ein bisschen selbstverursachter Schmerz allemal besser ist als massive Einschränkungen durch unbeugsame und überbürokratische staatliche Vorschriften. Drei große Hedgefondsgesellschaften – The Asset Managers' Committee, the Managed Funds Association und the Hedge Fund Working Group – sind bereits auf dem Plan. Mit von der Partie ist auch die britische Private Equity and Venture Capital Association. Und der Internationale Währungsfonds entwirft einen entsprechenden Kodex für Staatsfonds.

Selbstregulierung kann unter den Betroffenen ganz gut funktionieren. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer legen Rechnungslegungsstandards fest und die Regierung gibt ihre Zustimmung, auch Rechtsanwälte und Ärzte einigen sich oft auf bestimmte Vorgehensweisen. In der Regel erfüllen die Vorgaben ihren Zweck, wenn die Öffentlichkeit nur ein bisschen nachbohrt. Das Debakel der sich selbst kontrollierenden Ratingagenturen ist da eher ungewöhnlich.

Aber Banker und andere bedrohte Finanzgruppen sollten sich vor Augen halten, dass es sehr viel einfacher ist, einen Verhaltenskodex zu entwerfen, als ihn auch einzufordern. Betrügereien können nur durch die Androhung einer realistischen öffentlichen Bestrafung verhindert werden. Der Staat hat die Macht dazu. Aber solange der IIF und andere Vereinigungen keinen Weg finden, Verstöße für alle transparent und nachvollziehbar zu ahnden, solange wird es schwer sein, die Behörden auf Abstand zu halten.

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