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Führungspositionen: Gute Aufsichtsräte sind schwer zu finden

UBS, BP und RBS sind die jüngsten, die sich abmühen. In den Führungsetagen wird Reise nach Jerusalem gespielt, man holt die Granden der Szene aus dem Ruhestand oder sucht nach Persönlichkeiten mit beneidenswertem Pflichtgefühl. Die Krise hat viele in Misskredit gebracht und andere verschreckt. Die Erwartungen an die Unternehmenslenker sind inzwischen in den Himmel gewachsen.

von Jeffrey Goldfarb (breakingviews.com)

Führungsengpass: Die Chefsessel der Unternehmen sind immer schwerer zu besetzen und in den europäischen Unternehmen dreht sich das Personalkarussell. Die Großen der Branchen werden aus dem Ruhestand geholt oder man überlässt das Ruder Personen mit widerwilligem Pflichtgefühl. Die Krise hat viele Kandidaten in Misskredit gebracht und noch mehr verschreckt. Aber das größte Problem ist, dass Aktionäre und Aufsichtsgremien inzwischen zu viel von ihren Verwaltungsräten erwarten.

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Früher einmal galt Unabhängigkeit als untrennbar mit der Aufgabe verbundene Kernkompetenz. Der oder (sehr selten) die Vorsitzende stützte seine/ihre Urteilsfähigkeit auf breite unternehmerische Erfahrung. Aber heute suchen Unternehmen Verwaltungsräte, die zusätzlich Branchenerfahrung mitbringen - vor allem nach der negativen Erfahrung, die die Royal Bank of Scotland mit einem Wissenschaftler auf dem Chefsessel machte.

Zusätzlich zu Integrität und Erfahrung sollte ein guter Verwaltungsrat auch über ein ausreichend dickes Fell verfügen, um mit anstrengenden Aktionären und Medienvertretern zurande zu kommen, er sollte Durchhaltevermögen besitzen, um es auch mit einer ausgewachsenen Rezession aufnehmen zu können und natürlich muss er eine blütenweiße Weste haben. Solche Superhelden werden allerdings auch Spitzengehälter erwarten. Der Durchschnitts-Chairman erhält aber nur ein eher moderates Vergütungspaket für seine Bemühungen.

Die hohen Anforderungen haben die jüngste Runde im Headhunting auf Führungsebene erschwert. Swiss Re, die angeschlagene Schweizer Versicherung, eiste am Montag ihren früheren Chief Executive Walter Kielholz von der Credit Suisse los, wo er auch den Vorsitz im Verwaltungsrat innehatte. Bei der RBS übernahm Philip Hampton die Rolle widerstrebend, nachdem sich kein anderer für die undankbare Aufgabe fand. HSBC konnte den Goldman-Veteran John Thornton überreden ins Bankgeschäft zurückzukehren und den Vorsitz des Verwaltungsrats im hartumkämpften US-Geschäft zu übernehmen. Thornton lehrte als Professor in China. UBS holte den 68-jährigen ehemaligen Finanzminister Kapar Villiger aus dem Ruhestand. Und die zu den führenden Ölkonzernen zählende BP ist immer noch auf der Suche nach einem neuen Chairman.

Gerade für Industrieunternehmen ist der Fundus an Talenten begrenzt, weil die Finanzbranche in den vergangenen Jahrzehnten so viele helle Köpfe angeworben und in den letzten Jahren so viele früher untadelige Reputationen befleckt hat.

Erst wenn die Erinnerungen verblassen und die nächsten Manager sich ihre Lorbeeren verdient haben, wird der Pool wieder aufgefüllt. Aber solange Aktionäre und Unternehmen so hohe Anforderungen stellen und so hehren Idealen nachhängen, solange wird das Angebot wohl deutlich hinter der Nachfrage zurückbleiben.

Größere Anreize können die Verlockungen für Spitzenkandidaten erhöhen. Hampton zum Beispiel erhielt ein großzügiges Optionspaket, mit dem er an einem erfolgreichen Turnaround von UBS partizipiert. Alternativ brauchen Aktionäre und Verwaltungsrat eine eindeutige - und bescheidenere - Stellenbeschreibung für den Job des Chairman. Perfektion gibt es eben nicht zu jedem Preis.

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