Fusion
France Telecom wird in der Schweiz fündig

Der französische Netzbetreiber ist in Großbritannien größer als die Deutsche Telekom, musste sich aber mit einem 50/50-Joint-Venture zufriedengeben. In der Schweiz ist France Telecom kleiner als die dänische TDC, wird aber einen 75-prozentigen Anteil erhalten – vorausgesetzt die Aufsichtsbehörden stimmen zu.
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France Telecom scheint für ihre Fusionspläne in der Schweiz bessere Konditionen zu finden als in Großbritannien. Der französische Netzbetreiber einigte sich mit der dänischen TDC darauf, seine Schweizer Orange-Tochter mit TDCs Sunrise zu vereinen. Durch diese Entscheidung wollen die beiden Unternehmen Marktführer Swisscom stärker Konkurrenz machen. In Großbritannien musste sich FT auf ein 50/50-Joint-Venture mit dem kleineren Konkurrenten Deutsche Telekom einlassen. In der Schweiz ist FT der kleinere Konkurrent, übernimmt aber im neuen Unternehmen deutlich die Führung.

Die Franzosen werden einen Anteil von 75 Prozent und drei der fünf Sitze im Verwaltungsrat erhalten, im Gegenzug aber nur 40 Prozent des Pro-Forma-EBITDA und 33 Prozent der Kunden einbringen. Als Ausgleich für diese Differenz wird FT 1,5 Milliarden Euro an TDC zahlen.

Darüber hinaus erhält FT die Option, das Unternehmen ganz zu übernehmen und TDCs Anteil nach einem Jahr zum Mindestpreis von 1,2 Milliarden Euro zu erwerben. TDC kann seinen Anteil nach Ablauf von zwei Jahren auch an Dritte veräußern oder seine Aktien nach drei Jahren an die Börse bringen. Kommt keine der drei Möglichkeiten zum Tragen, wird TDC seine 25 Prozent zwischen 2012 und 2014 über ein Aktienrückkaufsprogramm abgeben. FT verpflichtet sich in diesem Fall TDC pro Jahr, in dem das Unternehmen keine Aktien zurückkauft, 100 Millionen Euro zu zahlen.

TDCs Bereitschaft zum Verkauf ist damit eindeutig größer als die der Deutschen Telekom. Die Privat-Equity-Geber des dänischen Netzbetreibers erreichen mit diesem Deal ihr Ziel, sich stärker auf die nordischen Märkte zu konzentrieren. Aus Polen und Ungarn haben sie sich im vergangenen Jahr schon zurückgezogen und mit den Erlösen erheblich dazu beigetragen, TDCs Schulden auf 3,8 Milliarden Euro oder das Doppelte ihres laufenden Gewinnes zu halbieren. Wenn das Schweizer Geschäft wie geplant über die Bühne läuft, werden sich die Schulden weiter reduzieren, sodass TDC für einen möglichen Börsengang gut gewappnet scheint.

Von den Schweizer Aufsichtsbehörden werden keine Einwände erwartet, da sie erst kürzlich verlauten ließen, dass sie es gern sähen, wenn Swisscom stärkere Konkurrenz erhielte. Die Orange-Sunrise-Kombination würde insgesamt einen Marktanteil von nicht mehr als 38 Prozent erreichen. Die mehrheitlich staatliche Swisscom bedient dagegen rund 60 Prozent des Marktes. TDCs Beteiligungsgeber - Apax, Blackstone, KKR, Permira und Providence - die ihren Anlegern hohe Rückzahlungen versprochen haben, verlassen sich darauf, grünes Licht zu erhalten.

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