Fusionen und Übernahmen
Die M&A-Dürre kommt

Mega-Deals wie der zwischen BHP und Rio und der LBO von BCE, die vor der Krise in die Wege geleitet worden waren, brechen auseinander. Und da der Finanzierungsengpass immer undurchlässiger wird, werden andere folgen. Neue Abschlüsse werden schwer zu finanzieren sein. Und da die Unternehmensergebnisse so undurchsichtig sind, werden die Käufer selbst vor Aktientausch-Transaktionen zurückscheuen.

Das Geschäft mit den Fusionen und Übernahmen steht kurz davor, in einen langen Sturzflug überzugehen. Bisher hatte sich der Bereich während der Finanzkrise größtenteils immer noch erstaunlich gut über Wasser gehalten. Dies lässt sich zum Teil darauf zurückführen, dass bei dem Verkauf von angeschlagenen Banken wie Merrill Lynch, HBOS und Fortis gut zu tun war. Außerdem bestand immer noch ein Überhang an Abschlüssen aus der Boom-Ära. Aber in der vergangenen Woche sind zwei dieser Mega-Deals - die unerwünschte Offerte von BHP für Rio und die geplante fremdfinanzierte Übernahme der kanadischen BCE - geplatzt.

Die Kreditkrise bringt auch andere Vorhaben, die noch in der Pipeline stecken, in Schwierigkeiten. Die Akquisition von Alltel durch Verizon Wireless zu finanzieren, wächst sich mittlerweile zum Kraftakt aus. Die Mobilfunkgruppe hat Anleihen emittiert and versucht derzeit, Bankschuldtitel aufzutreiben. Aber dafür muss sie vielleicht einen hohen Preis zahlen, sagt ein Marktteilnehmer. In der Zwischenzeit scheint das unerwünschte Gebot von Roche für einen Anteil von 44 Prozent der Genentech-Aktien, die sich noch nicht im Besitz von Roche befinden, kaum Fortschritte zu machen.

Auch neue Abschlüsse werden ähnlich schwer zu finanzieren sein. LBOs von großem Umfang haben schon 2007 das Zeitliche gesegnet. Aber jetzt kämpfen selbst Unternehmen, die zu den Standardwerten zählen. In den guten Zeiten gehörte GE Capital zu den gierigsten Serienkäufern - zum Teil, weil der Finanzbereich von der Bonitätseinstufung "AAA" der Muttergesellschaft profitierte. Aber da die Kreditspannen von GE Capital jetzt bei 475 Basispunkten liegen, ist es kaum vorstellbar, dass die Firma aggressiv auf Beutejagd geht. Andere Blue Chips sind immer noch in der Lage, hier und da Geld auf dem Anleihemarkt aufzunehmen. Aber die Finanzierungsfenster stehen nicht immer verlässlich offen und, wenn sie tatsächlich einmal zugänglich sind, sind die Kosten für das Sammeln von neuem Kapital hoch.

Und da schließlich die Unternehmensergebnisse so schwer zu überprüfen sind, werden die Käufer auch vor Deals zurückscheuen, die auf einem Aktientausch basieren. Einige Chefs werden dennoch kühn vorangehen, besonders wenn sie die Chance haben, sich wertvollste Vermögenswerte unter den Nagel zu reißen, die normalerweise nicht zum Verkauf stehen würden. In dieser Woche hat zum Beispiel Ryanair erneut einen Angriff auf Aer Lingus eingeleitet. Aber die werden die Ausnahme und nicht die Regel sein.

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