Fusionsarbitrageure
Große Lücken, große Risiken

Fusionsarbitrageuren bieten sich große Möglichkeiten: Bei einem Dutzend großer Fusionsvorhaben beläuft sich die Lücke zwischen aktuellem und gebotenen Wert auf zusammen 32 Milliarden US-Dollar, bei der Hälfte ist Spanne größer als zehn Prozent. Doch in chaotischen Märkten könnten große Transaktionen, etwa bei Finanzwerten, nicht abgeschlossen werden – Chance und Risiko zugleich.

Wegen der extremen Marktturbulenzen hat die Lücke zwischen dem gebotenen Wert und den aktuellen Handelskursen bei zwölf ausstehenden Fusionstransaktionen in Europa und Nordamerika zusammen das Volumen von 32 Milliarden US-Dollar erreicht. Fusionsarbitrageure haben aber Schwierigkeiten, diese großen Möglichkeiten zu nutzen.

In der Hälfte der zwölf Fälle ist die Spanne größer als zehn Prozent, der britische Platinproduzent Lonmin ist der schlimmste Fall. Seine Aktien werden mit einem 37prozentigen Abschlag auf die 5,1 Milliarden britischen Pfund gehandelt, die Xstrata wohl im August dafür zu zahlen bereit war, als die Platinpreise viel höher waren. Auf Dollarbasis ist die Lücke bei acht der zwölf Spitzenfusionen größer als zwei Milliarden US-Dollar. An der Spitze der Liste steht der kanadische Telekomkonzern BCE. Seine Aktien werden um fast sieben Milliarden US-Dollar unter dem Wert der enormen, fremdfinanzierten 50-Milliarden-Dollar-Offerte des Ontario Teachers Pension Fund gehandelt.

Es sind nicht nur alte Fusionsvorhaben, die ins Stocken geraten. Auch zwei "Rettungsaktionen" im Finanzsektor scheinen schon Probleme zu bereiten, kaum eine Woche, nachdem sie vereinbart wurden. Am Dienstagnachmittag wurde Merrill Lynch mit einem 15-prozentigen Abschlag auf die 40-Milliarden-Dollar-Offerte für alle Aktien gehandelt, die die Bank of America abgegeben hatte. Die Hypothekenbank HBOS war 25 Prozent weniger wert als die Offerte von 15 Milliarden britischen Pfund, die Lloyds TSB für alle Aktien abgegeben hat.

Die Finanzierungssorgen wachsen beinahe im Minutentakt. Roche hat nicht die Kredite beisammen für den Versuch, mit 44 Milliarden US-Dollar jene Aktien von Genentech zu kaufen, die man noch nicht besitzt. Auch fallende Rohstoffpreise bereiten Probleme. Teck Cominco hat die Kreditgeber für seine Bar- und Aktienofferte über 13 Milliarden kanadische Dollar für den Fording Canadian Coal Trust. Doch es bleibt ein 15-prozentiger Abschlag auf das Gebot, ausgelöst durch einen verhaltenen Ausblick für Basismetalle, der auch den Aktienkurs von Teck Cominco beeinträchtigte. Dies erhöht die Sorgen, dass die Transaktion nicht vorankommen könnte.

In einer Blütephase würde eine derart große Lücke wahrscheinlich von Fusionsarbitrageuren geschlossen werden. Doch die Kreditklemme macht es für die Spezialisten schwer, eine Finanzierung zu bekommen. Beschränkungen bei Leerverkäufen machen die Absicherung schwieriger, und Vorhersagen werden in turbulenten Märkten eher falsch ausfallen. Fürs Erste werden wohl nur die wagemutigsten Akteure in das Spiel einsteigen.

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