Fusionspoker
Rio Tinto: Einseitige Kompromisse

Chinalco ist angeblich bereit, ihren Zusammenschluss mit Rio Tinto über 19,5 Mrd. Dollar neu zu gestalten. Denn seitdem der Deal angekündigt worden ist, sind die Aktien von Rio Tinto in die Höhe geschossen. Und die Aktionäre sind nicht glücklich mit der Transaktion. Aber die geplanten Konzessionen der Chinesen überzeugen nicht.

Chinalco ist angeblich bereit, den Zusammenschluss mit der hoch verschuldeten Bergwerksgesellschaft Rio Tinto über 19,5 Mrd. Dollar umzustrukturieren. Das erscheint ohnehin fast unausweichlich. Die Aktien von Rio haben sich seit Februar, als der Deal mit der staatlichen chinesischen Aluminiumgruppe vereinbart worden war, fast verdoppelt. Der neu berufene Chairman Jan du Plessis hat die Position von Rio bereits in ein anderes Licht gerückt, als er betonte, dass er seinen Aktionären keinen Deal vorsetzen werde, bei dem er davon ausgehen muss, dass sie ihn ablehnen werden.

Die ursprüngliche Übereinkunft war zweigleisig. Chinalco, der größte Aktionär von Rio, hatte sich bereit erklärt, der Minengesellschaft über eine Wandelanleihe 7,2 Mrd. Dollar zuzuführen. Damit würde sich der Anteil der Chinesen an der zweifach notierten Firma möglicherweise auf 18 Prozent verdoppeln - hoch genug, um eine Überprüfung durch den australischen Ausschuss für Auslandsinvestitionen auszulösen. Chinalco wollte zudem 12,3 Mrd. Dollar für Minderheitsbeteiligungen bei einer Reihe von Bergwerksanlagen von Rio aufwenden. Außerdem sollte der chinesische Aluminiumhersteller zwei Sitze im Board erhalten.

Chinalco bietet nun angeblich an, ihre Beteiligung auf 15 Prozent zu begrenzen. Doch an den Board-Sitzen will das Unternehmen festhalten und auch die Direktbeteiligungen an den Minenanlagen sollen nicht zurückgefahren werden. Damit könnten die Chinesen der Aufregung begegnen wollen, die wegen Vorkaufsrechten entstanden waren. Doch gleichzeitig legt das Vorgehen nahe, das sich die chinesische Seite nur auf den Gebieten flexibel zeigen will, die ihre Macht hinter den Kulissen von Rio nicht schmälern. Wenn die Investoren von Rio sich Sorgen um den Einfluss von Chinalco machen, dann sollten sie verlangen, dass das Unternehmen genau auf den anderen Gebieten Konzessionen macht - das heißt, sich auf kleinere Beteiligungen an den Vermögenswerten von Rio und auf den Verzicht auf einen Sitz im Board einlässt.

Noch haben sowohl Rio als auch Chinalco immer noch vier Wochen Zeit, bevor sie sich bewegen müssen. Der Chairman von Rio trifft sich mit den Aktionären und die australische Branchenaufsicht dürfte vor Mitte Juni keine Entscheidung fällen. In einem von Schwankungen gekennzeichneten Markt kann sich in einem Monat alles verändern. Wenn sich der Aktienkurs von Rio halten kann, dann könnte eine Bezugsrechtsemission eine gangbare Alternative bleiben.

Die gute Nachricht für die Rio-Aktionäre besteht darin, dass Chinalco zwar offenbar an seinem Engagement festhalten will, aber vielleicht nicht genug getan hat, um einen möglichen Gegenvorschlag vom Konkurrenten BHP Billiton, potenziell in Kooperation mit anderen Firmen, zu verhindern. Noch können sie aufs Ganze gehen.

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