Fußball und Finanzen
Geld schießt Tore

Die neuen arabischen Eigentümer des Fußballklubs Manchester City wollen irre 135 Mill. Pfund für Superstar Cristiano Ronaldo bieten. Da rede noch jemand von gleichen Wettbewerbsbedingungen. Der europäische Fußball könnte viel vom sozialistisch ausgerichteten Modells des amerikanischen Football lernen.

Dem Fußball steht ein finanzielles Dilemma bevor. Die neuen finanzkräftigen Eigentümer des Fußballklubs Manchester City aus Abu Dhabi haben angedeutet, möglicherweise erstaunliche 135 Mill. Pfund Sterling für den beim Lokalrivalen Manchester United spielenden Superstar Cristiano Ronaldo bieten zu wollen, wenn sich im neuen Jahr das Transferfenster wieder öffnet. Das sind fast 80 Prozent mehr als der Rekordpreis von 76 Mill. Pfund, den Real Madrid 2001 für Zinedine Zidane gezahlt hatte. ManU hatte lange betont, Ronaldo stehe nicht zum Verkauf, gibt jetzt aber zu, dass eine solche Summe schwer zu ignorieren ist.

Tatsächlich droht die Bereitschaft der Besitzer aus Abu Dhabi, eine Menge Geld in die Hand zu nehmen, um eine Starmannschaft auf dem Rasen zu versammeln, die Wettbewerbsbedingungen auf dem Feld radikal zu verzerren. Milliardäre sind in der britischen Premier League zwar nichts Neues mehr - der russische Magnat Roman Abramowitsch bei Chelsea, die Glazer-Familie bei ManU sowie Hicks und Gillet bei Liverpool gehören alle seit ein paar Jahren zum Fußballgeschäft. Aber die neuen Ölsponsoren von Manchester City mit Verbindungen zum Königshaus, die die Schulden des Klubs über Nacht aus dem Weg geräumt haben, spielen in einer anderen Liga des Wohlstands.

Die Fans von Manchester City mögen zwar jubilieren, aber die zunehmende Polarisierung reicher und armer Vereine untergräbt den Wettbewerbsgeist. Erfolgreiche und finanziell disziplinierte Teams wie Arsenal, die alles daran gesetzt haben, um ein solides Geschäftsmodell auf die Beine zustellen und unabhängig zu bleiben, werden am meisten zu leiden haben. Die Klubs, die weder zahlungskräftige Unterstützer noch eine Tradition des Erfolgs vorzuweisen haben, stehen vor einer düsteren Zukunft.

Der europäische Fußball könnte am Beispiel des sozialistisch ausgerichteten Modells des amerikanischen Football lernen. Zwar ist die National Football League schon lange ein Klub der Milliardäre, aber die Vergütungen und Transfergebühren für die Spieler werden insgesamt gedeckelt. Darüber hinaus werden die Einnahmen aus den Fernsehübertragungen zu gleichen Teilen unter den Mannschaften der Liga aufgeteilt, unabhängig von ihrer Leistung. Da es kein Relegationssystem gibt, darf das am schlechtesten platzierte Team als Erstes unter den neuen Spielern der nächsten Saison wählen.

Die europäischen nationalen Fußball-Ligen gedeihen an den Risiken der Relegation und an der Hoffnung auf den Aufstieg. Doch die Zukunft des Sports sähe heiterer aus, wenn man gezielt einige Aspekte des US-Modells übernehmen würde. Die politischen Rangeleien wären nervenaufreibend - es bedürfte internationaler Regulierungsstellen für den Einkauf und eines effektiven Kartells der Spitzenmannschaften. Doch die Kreditkrise könnte eine Gelegenheit bieten, einige der Milliardäre, die ein Vermögen darauf verwendet haben, Mannschaften zu kaufen, davon zu überzeugen, einen solch ehrgeizigen neuen Ansatz zu unterstützen.

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