G20-Gipfel
Zwei Ideen zur Beseitigung der globalen Ungleichgewichte

Es sieht ganz so aus, als würden die G20 das Problem der massiven Handelsbilanzüberschüsse in China und -defizite in den USA geschickt umschiffen. Das dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass eine Auseinandersetzung mit dem Problem diplomatische Verwicklungen heraufbeschwören könnte. Aber genau diese Ungleichgewichte gehören zu den grundlegenden Ursachen der Krise.
  • 0

Billiges Geld aus China hat dazu beigetragen die Blase zu bilden, die jetzt so spektakulär geplatzt ist. Pekings Politik, seine Währung künstlich niedrig zu halten, machte das Auftürmen der riesigen Handelsbilanzüberschüsse erst möglich - Mittel, die recycelt wurden und es den Amerikanern erst ermöglichten, über ihre Verhältnisse zu leben.

Vor diesem Hintergrund hätte man erwarten können, dass die G20-Staatenlenker, die jetzt in London zusammenkommen sind, sich auf die Frage konzentrieren, wie diese Ungleichgewichte in Zukunft zu vermeiden sind. Aber tatsächlich sieht es so aus, als ob sie dem Problem ausweichen. Der Grund dürfte darin liegen, dass eine direkte Auseinandersetzung mit dem Thema diplomatische Verwicklungen heraufbeschwören würde. Nachdem Tim Geithner, der amerikanische Finanzminister, die Chinesen im Januar beschuldigte, ihre Währung zu manipulieren, machte Peking den Amerikanern ihre laxe Regulierung und den exzessiven Konsum zum Vorwurf.

Der Kommuniqué-Entwurf der G20 schleicht um den heißen Brei herum und ringt den Ländern lediglich das Einverständnis ab, ihre Volkswirtschaften durch den IWF überwachen zu lassen und ein wachsames Auge auf die gegenseitigen Wirkungen ihrer Politik zu werfen.

Optimisten werden vielleicht hoffen, dass Peking seine Lektion gelernt hat. Chinas Exporte brachen ein, nachdem die USA und andere Schuldner-Nationen ihre Gürtel enger schnallen mussten. Aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Die konsequente Überwachung sollte daher durch zwei weitere Selbsthilfemaßnahmen ergänzt werden - sobald die unmittelbare Krise abgewendet ist.

Erstens, solange die amerikanische Handelsbilanz defizitär ist, sollte der US-Haushalt einen Überschuss aufweisen. Das sollte jeden neuen Versuch der Amerikaner, über ihre Verhältnisse zu leben, dämpfen. Und sollte es dennoch zu irgendeiner Krise kommen, ist zumindest der amerikanische Haushalt in besserer Verfassung.

Zweitens, auch wieder nach Überwindung der akuten Krise, sollten die USA versuchen, ihre Schulden zu refinanzieren, indem sie den Chinesen extreme lang laufende Dollaranleihen verkaufen. Wenn sich die USA eine langfristig günstige Finanzierung in der eigenen Währung sichern können, müssen sie nicht mehr fürchten, dass Peking ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht.

Es könnte allerdings gut sein, dass die Chinesen sich nicht darauf einlassen. Der chinesische Notenbankgouverneur spricht schließlich bereits von der Notwendigkeit einer neuen globalen Reservewährung. Aber auch Peking kann nicht beides haben. Wenn China sich wirklich für eine Alternativwährung stark macht, wird der Dollar sinken - was wiederum dazu beitragen wird, die Welt zurück ins Gleichgewicht zu bringen.

Kommentare zu " G20-Gipfel: Zwei Ideen zur Beseitigung der globalen Ungleichgewichte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%