G20-Pläne
Besitzer von Bankanleihen können aufatmen

Die G20-Nationen wollen die Inhaber von Bankanleihen retten. Die Aufsichtsbehörden sind zu besorgt über die Dominoeffekte, die der Ausfall selbst nachrangiger Schuldtitel auslösen könnte. Im Gegenzug werden derartige Titel in Zukunft nicht mehr zum Kapital zählen.
  • 0

Die Inhaber von Bankanleihen rund um die Welt können möglicherweise erleichtert aufatmen. Seitdem Lehman Brothers kollabiert ist und den Anleihebesitzern Verluste über geschätzt mehr als 100 Mrd. Dollar bescherte, hat sie die Angst begleitet, von einer weiteren derartigen Katastrophe heimgesucht zu werden. So werden zum Beispiel die nachrangigen Schuldtitelemissionen der Citigroup - deren Forderungen bei einer Insolvenz hinter denen der stärker bevorrechtigten Kapitalgeber rangieren -, bei nur noch etwa zwei Dritteln des Nennwerts gehandelt. Doch mit weiterem Ungemach ist nun nicht mehr zu rechnen, denn die G20-Nationen scheinen dazu entschlossen zu sein, die Anleiheinhaber im Notfall herauszupauken.

Dies wurde von den G20 zwar nicht ausdrücklich deklariert. Trotzdem lässt sich diese Absicht an einem der Papiere ablesen, das deren Finanzminister erarbeitet haben. Die zuständigen Behörden sind zu besorgt über die Dominoeffekte, die weitere Ausfälle von Bankschuldtiteln auslösen könnten. Im Besonderen haben sie Bedenken, dass solche Ausfälle die Solvenz von Versicherungsgesellschaften unterminieren könnten, die nachrangige Bankenschuldtitel in großem Umfang besitzen.

Die Finanzminister der G20 haben klar gestellt, dass die Aktionäre sehr wohl zur Rechenschaft gezogen werden sollten, wenn Banken gerettet werden. Eine Erwähnung der Anleiheinhaber wurde aber ostentativ unterlassen. Theoretisch könnten die G20-Nationen sie immer noch leiden lassen. Aber mehrere ihrer Vertreter, die namentlich nicht genannt werden wollten, erklärten, dass dazu, nach dem enormen Schaden, den Lehman und in einem geringerem Ausmaß Washington Mutual und die britische Bradford & Bingley angerichtet haben und unter dem auch die Anleihebesitzer gelitten haben, keine Bereitschaft bestünde.

Aber wird damit nicht das gesamte Bankenkapital-System zum Witz erklärt? Jahre lang haben Banken nachrangige Bonds und hybride Stock-Bonds in dem Ansinnen emittiert, dass solche Instrumente in unterschiedlichem Ausmaß zu ihrem Kapitalpolster gezählt werden können. Wenn die Regierungen es nicht zulassen, dass die Anleiheinhaber in einer Krise irgendwelche Einbußen erleiden, dann sollten nachrangige Schuldtitel zumindest nicht zum Risikokapital beitragen.

Die zuständigen Behörden wissen sehr genau, dass es den Banken nicht erlaubt werden darf, doppelt zu gewinnen. Deshalb ist es in Zukunft unwahrscheinlich, dass nachrangige Schuldtitel zum Kapital zählen werden. Auch dies haben die G20-Vertreter nicht explizit dargelegt. Im Kleingedruckten des Kommuniques der Gruppe von vergangener Woche ist allerdings zu lesen, dass die "Qualität des Kapitals verbessert werden sollte". Einer der Vertreter sagte, es sei wahrscheinlich, dass nur Stamm- und Vorzugsaktien die Prüfung bestehen.

So werden denn in Zukunft nachrangige Titel den Banken höchstwahrscheinlich nicht mehr allzu viel nützen. Andererseits können sich aber die Anleiheinhaber vielleicht sehr glücklich schätzen.

Kommentare zu " G20-Pläne: Besitzer von Bankanleihen können aufatmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%