G7
Lasst endlich Taten folgen!

Den guten Absichten der G7 müssen jetzt schnell Taten folgen. Ihre führenden Vertreter haben zugesagt, keine für das Bankensystem wichtigen Institute scheitern zu lassen. Zudem stellen sie die Rekapitalisierung und die Absicherung der Finanzierung der Banken in Aussicht. Hier wird es ausschlaggebend sein, ob die USA und Deutschland innerhalb der nächsten Tage konkrete Handlungsprogramme vorlegen. Der erste Testfall ist Morgan Stanley.

Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) nennt es einen Aktionsplan. Nun, dann lasst den Worten endlich Taten folgen.

Die betreffenden Finanzminister und Notenbankgouverneure haben ein vortreffliches Fünf-Punkte-Programm zur Lösung der Finanzkrise aufgestellt. Selbst eine willkommene Verpflichtung zur Transparenz bei der Bewertung von Vermögenswerten ist in dem Aktionsplan enthalten - sowie das Versprechen, keine großen Banken mehr untergehen zu lassen, die Finanzierungsmärkte wieder aufzutauen und die Bankenbranche zu rekapitalisieren. Aber bisher haben wir nur den Plan gesehen, nicht die Aktionen.

Selbst Großbritannien, das in seinen Überlegungen am weitesten fortgeschritten ist, hat seine Banken übrigens noch nicht rekapitalisiert und sie mit mittelfristigen Finanzierungen versorgt.

Das größte Loch klafft in den USA. Der amerikanische Finanzminister Hank Paulson hat sich letztendlich doch von der Notwendigkeit überzeugen lassen, dass den Banken direkt Kapital zugeführt werden muss. Er hat ein "standardisiertes Programm" in Aussicht gestellt, stimmrechtslose Aktien anzunehmen, wodurch auch das private Kapital angesprochen werden soll. Aber zu Einzelheiten hat er sich noch nicht geäußert. Ebenso wenig hat er dargelegt, wie sichergestellt werden soll, dass Banken auch Zugang zu mittelfristigen Finanzierungen bekommen.

Darüber hinaus steht den USA ein wichtiger Belastungstest ins Haus: Sie müssen dafür sorgen, dass Morgan Stanley, die gerade von den Haien eingekreist wird, nicht untergeht. Das globale Finanzsystem wird mit dem Zusammenbruch eines weiteren, für das System Ausschlag gebenden Instituts nicht mehr fertig. Wenn Paulson Morgan Stanley sterben lässt, dann wird er sich einen Vermerk im Geschichtsbuch der unrühmlichen Taten verdient haben.

Außerhalb Amerikas ist Deutschland das Testfeld schlechthin. Auch hier wurden Fortschritte erzielt. In der vergangenen Woche hat die Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel eine komplette Kehrtwendung vollzogen und akzeptiert jetzt, dass der Staat einen "Schirm" über den Banken aufspannen muss, um den Sturm abzuwehren. Wie der Schirm genau aussehen soll und wie groß er sein wird, soll am Sonntagabend erläutert werden.

Im Denken der Regierungen hat eine Gezeitenwende eingesetzt. Unglücklicherweise hat sich aber auch der Wahn der Märkte in der vergangenen Woche verdichtet. Jetzt muss es schnell gehen, das ist alles entscheidend. Wenn die G7-Staaten ihre Pläne nicht schnell in die Tat umsetzen, könnte die Zuversicht weiter abebben und die Panik anschwellen.

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