Gangwechsel: KKR mit ersten LBO-Schmerzen

Gangwechsel
KKR mit ersten LBO-Schmerzen

Zwei milde Winter hintereinander zwingen das Buyout-Unternehmen zu Umstrukturierungen bei ATU, seiner strauchelnden deutschen Autodienstleistungskette. KKR kommt um eine Eigenkapitalspritze wohl kaum umhin. Andere LBOs werden bald nachziehen müssen.

Kohlberg Kravis Roberts wird nach zwei milden Wintern in Deutschland jetzt von einem Kälteschauer erfasst. Auto-Teile-Unger, Kfz-Teilehändler und Werkstattkette im Besitz des Beteiligungsunternehmens, ist in hohem Maße von Autofahrern abhängig, die Winterreifen aufziehen lassen und verbundene Produkte kaufen. Ohne Schnee und Temperaturen unter Null rechnen Analysten mit einem Einbruch des Betriebsergebnisses um rund ein Drittel. Dadurch dürften die Schuldenkennziffern ansteigen und die Banken mit neuen Sicherungsforderungen auf den Plan gerufen werden. Bis heute gehört ATU noch zu den größten europäischen Umstrukturierungsvorhaben seit dem Ende des Kreditbooms. Aber mit weiteren Unternehmensbilanzen, die nach einer Neuordnung rufen, könnte es schon bald von anderen überholt werden.

Für KKR bedeutet die Überschuldung, wiederholt zur Verhandlung mit Kreditgebern gezwungen zu sein. Gerade erst im August war es gelungen, die Kreditverpflichtungen neu auszutarieren und etwas mehr Spielraum für das Unternehmen herauszuschlagen.

ATUs freier Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit war schon in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres negativ. Und obwohl die Ratingagentur S&P noch nicht damit rechnet, dass ATU durch seinen Schuldendienst in Höhe von 60 Millionen Euro in diesem Jahr in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, hat sie das Unternehmen auf die Beobachtungsliste gesetzt, mit negativen Auswirkungen. Anlass zur Sorge gibt auch der Bondhandel. ATUs Anleihen werden nur etwa zu 82 Prozent ihres Nennwerts gehandelt.

ATUs Kapitalstruktur braucht eine Überholung, die voraussichtlich auch eine Injektion frischen Eigenkapitals umfassen muss. Eine Neuorientierung der Firmenstrategie ist ebenfalls im Gespräch. Es ist verständlich, dass KKR Mutter Natur nicht erneut herausfordern will. Geplant ist es, ATUs Abhängigkeit vom Wintergeschäft zu reduzieren, ebenso wie auch die Abhängigkeit von der Einzelhandelsklientel. Stattdessen sollen stärker gewerbliche Kunden unter Vertrag genommen und Fahrzeugflotten betreut werden. Der neue Geschäftsführer Michael Kern hat das auch schon bei der Leihwagenkette Europcar geschafft.

Seit der Übernahme von ATU für 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2004 hat KKR den gesamten Gewinn in die Expansion und die Schuldenreduktion des Unternehmens auf heute etwa 650 Millionen Euro gesteckt. Unglücklicherweise hat nun der Gewinneinbruch die Schuldenkennziffern wieder aufgebläht.

KKR zeigt sich als Kreditnehmer weniger sportlich als seine Buyout-Konkurrenten. Das Beteiligungsunternehmen verzichtete häufiger auf eine Dividenden-Refinanzierung und das Rating seiner Portfoliounternehmen wurde seltener herabgestuft. Man kann sich also leicht vorstellen, was weniger konservativen Kreditnehmern noch bevorsteht. Solange billiges Geld verfügbar war, ersetzte eine simple Refinanzierung die lästige Umstrukturierung. So einfach wird das künftig nicht mehr sein.

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