Gazprom
Der italienische Auftrag

Könnte Gazprom seine erste große Investition in einem westeuropäischen Land vornehmen, jetzt da sich Italien und Russland wieder füreinander erwärmen? Der italienische Versorger Enel will sein Gasnetz verkaufen, das sich gut in die erklärten Absichten des russischen Monopols, Distributionsanlagen in Europa zu kaufen, einfügen würde. Angesichts Silvio Berlusconis Putin-Begeisterung erschiene ein russisch-italienischer Deal als logische Wahl.

Enel ist schon lange auf Schmusekurs mit Gazprom. Im vergangenen Jahr haben die Italiener Gazprom unterstützt, indem sie einige Vermögenswerte von Yukos nach der vom Kreml angeordneten Pleite der russischen Erdölgesellschaft gekauft haben. Enel hat sich dann zusammen mit dem italienischen Erdölkonzern Eni bereit erklärt, Gazprom eine Kaufoption auf diese Vermögenswerte einzuräumen. Mit diesem Manöver wurde der russische Gasriese vor nervtötenden internationalen Gerichtsverfahren geschützt. Davon unabhängig, oder vielleicht doch nicht ganz so unabhängig, hat Enel im vergangenen Jahr 2,6 Mrd. Euro in ein russisches Kraftwerk investiert und sich bereit erklärt, Gazprom auf dem italienischen Markt weiterzuhelfen.

Gazproms Ambitionen im Downstream-Bereich scheinen nicht mit der Notwendigkeit überein zu stimmen, den Rückstand bei Investitionen in die Förderung und Exploration aufzuholen. Aber Gazprom will ihren Endkunden näher rücken und vielleicht auch ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss ausweiten.

Gazprom hat die Finger von der belgischen Distrigaz gelassen, die die französische Versorgungsgesellschaft Gaz de France-Suez zum Verkauf gestellt hat. Vielleicht weil eine Offerte auf scharfen politischen Widerstand gestoßen wäre. Berlusconis Italien würde da schon eine angenehmere Kulisse bieten.

Aber auch wenn der italienische Staat 30 Prozent an Enel hält, ist selbst Berlusconi nicht in der Lage, für Gazprom einen Abschluss zu Vorzugskonditionen zu arrangieren. Das italienische Gasnetz ist nämlich schwer umkämpft, denn Distributionsnetze sind rar. Gazprom ist zwar reich, aber andere potenzielle Bieter – die französischen EDF und Gaz de France und die deutsche E.on – sind auch nicht arm. Gazprom könnte einen Tausch von Vermögenswerten vorschlagen, aber dies würde nicht allzu viel zum eigentlichen Zweck der Veräußerung beitragen, nämlich die Verbindlichkeiten von Enel zu senken.

Die nicht staatlichen Aktionäre von Enel werden nicht einfach zusehen, wie die Firma zu einem Schleuderpreis weggegeben wird. Wenn Gazprom also wirklich in Europa Fuß fassen will, dann wird das Unternehmen den richtigen Preis zahlen müssen – einen hohen.

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