GE-Liquiditätsspritze
Stromstoß

Nach der jüngsten Gewinnwarnung von General Electric wirkt die Liquiditätszufuhr über 15 Mrd. Dollar - darunter drei Mrd. Dollar von Investor Warren Buffett - erst einmal beruhigend. Aber die Anleger sind dadurch immer noch nicht von dieser Blackbox befreit, die an der Industriegruppe hängt. Das Kapital sollte dazu eingesetzt werden, GE Capital vor einer künftigen Scheidung ordentlich auszustatten.

Die Zufuhr von Barmitteln über 15 Mrd. Dollar sollte die Bedenken über die Liquiditätslage bei General Electric (GE) zerstreuen, nachdem der Gigant, dessen Produktpalette von Öfen bis zu Kreditkarten reicht, in der vergangenen Woche die Anleger mit einer Gewinnwarnung schockiert hatte. Und der Auftritt der Investorengröße Warren Buffett, der frisches Kapital über drei Mrd. Dollar in den Mischkonzern steckt und bereit steht, über Warrants weitere drei Mrd. Dollar zu investieren, hat dem Firmenchef Jeff Immelt in der Öffentlichkeit zu einem großen Vertrauenszuwachs verholfen.

Aber die Investoren, die unzufrieden mit der Hartnäckigkeit sind, mit der die Gruppe daran fest hält, dass eine undurchsichtige Finanzgesellschaft die weltweit erstklassigen Industriebereiche des Konzerns als Geiseln hält, werden den Deal nicht ganz so tröstlich finden. Es hat den Anschein, als hätte GE das Geld auftreiben und damit Buffetts Firma Berkshire Hathaway verwässernd wirkende Konditionen anbieten müssen, weil der kurzfristige Finanzierungsbedarf seines Finanzbereichs GE Capital den Rest des Unternehmens weiterhin in Gefahr bringt.

Das frische Kapital sollte Immelt die nötige Zeit geben, um zu tun, was richtig ist: Er sollte das Finanzgeschäft rekapitalisieren und es an die GE-Aktionäre ausgliedern. Das würde ihnen vermutlich erlauben, sich viele Monate lang nicht an die Commercial Paper-Märkte wenden zu müssen.

Auf jeden Fall aber sollte das Eigenkapital, das Buffett und andere Aktionäre bereitstellen, als ein zweiter Schritt angesehen werden, der diesen Prozess beschleunigt. In der vergangenen Woche hatte GE Capital die Dividende gekürzt, die sie an die Muttergesellschaft entrichtet, welche wiederum ihr Aktienrückkaufsprogramm ausgesetzt hat. Diese Maßnahmen sollten GE Capital in die Lage versetzen, einen Puffer gegen jegliche weitere Abschreibungen auf ihre Vermögenswerte über 700 Mrd. Dollar zu errichten.

Doch diese Schritte sind nicht dazu geeignet, das anhaltende Grundproblem von GE zu lösen: ihren kurzfristigen Finanzierungsbedarf. Die jährlichen Kosten, sich gegen den Zahlungsverzug von GE Capital abzusichern - stellvertretend für die Risiko-Prämie, die die Kapitalgeber auf die Sätze für risikolose Staatsanleihen draufschlagen - sind im vergangenen Monat um mehr als 3,5 Prozentpunkte nach oben geschossen. Nach den Investitionen durch Buffett ist die CDS-Spanne geschrumpft. Aber die Tendenz zeigt, dass es für GE teurer geworden ist, sich auf Tagesbasis zu finanzieren.

Tatsächlich ist dies ein Punkt, in dem sich Buffetts Deal mit GE von seinem jüngsten Engagement bei Goldman Sachs über fünf Mrd. Dollar unterscheidet. Goldman hatte angekündigt, ihre Struktur in die einer Bank-Holding wandeln zu wollen, bevor Buffett investiert hatte. Indem die Firma diese Entscheidung traf, setzte sich Goldman mit einem wahrnehmbaren strukturellen Mangel auseinander, der daraus erwachsen war, dass sie sich vorwiegend über kurzfristige Papiere finanzierte. GE hat sich mit dieser Angelegenheit noch nicht befasst. Die Anleger wären gut bedient, wenn das Unternehmen dem Beispiel von Goldman folgen würde.

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