Geheimnisvolle Aktionäre
Rätsel über Rätsel

Die Banken haben Milliarden bei undurchsichtigen Investitionen verloren, deren Wert schwer einzuschätzen ist. Um ihr Kapital zu stützen, haben die Institutionen bei undurchsichtigen Investoren angeklopft, deren Absichten nicht immer klar sind. Die UBS will ihren geheimnisvollen Käufer nicht einmal nennen. Die schweizer Aktionäre haben Recht, wenn sie sich beschweren.

Damals war es die Vorgehensweise Russlands, die Churchill so verwirrt hatte, dass er sagte, das Land sei ein Rätsel, das in ein Mysterium innerhalb eines Geheimnisses gehüllt sei. Etwas Ähnliches könnte man heute über die Schweizer und einige der Schritte, die von ihrem Bankensystem unternommen worden sind, sagen.

Die Großbank UBS hat das Rätsel um CDOs, also um Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, und um US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität mit einem weiteren Mysterium beantwortet, indem sie neun Prozent der Bank an die Regierung von Singapur verkauft hat. Deren Absichten sind nicht ganz klar. Das ganze Durcheinander hat die Bank dann in ein Geheimnis gehüllt, indem sie einen nicht genannten Investor aus dem Nahen Osten als den Käufer eines weiteren Anteils über zwei Prozent vorgeschlagen hat.

Die Identität dieses geheimnisvollen Investors hat die Gerüchteküche angeheizt. Könnte es die Regierung von Oman sein, oder vielleicht der saudi-arabische Kronprinz? Die Undurchsichtigkeit der Vorgänge hat einige schweizer Aktionäre irritiert. Man kann es ihnen kaum verdenken. Sie sind empfindlich geworden – nach einer Abschreibung in zwei Phasen über insgesamt 14 Mrd. Dollar, dem abrupten Wechsel auf dem Chefsessel und ohne die Garantie, dass nicht noch mehr Verluste auftauchen.

Sicher, wenn man weniger als drei Prozent der Aktien hält, muss man seine Identität nicht preisgeben. Aber der Vorstand der Bank – derselbe, der sie in die Krise gestürzt hat–, verlangt jetzt von den Aktionären blindes Vertrauen dafür, dass er einen angemessenen Investoren gefunden hat, um sie aus der Krise wieder herauszuführen. Man darf sich ruhig fragen, ob ein williger Käufer unter diesen Umständen im Gegenzug für sein Geld nicht vielleicht etwas zusätzlichen Einfluss haben möchte.

UBS wird die Angelegenheit im kommenden Jahr vor die Aktionäre bringen. Der Vorstand hat nicht entschieden, ob die Abstimmung über die eine Verwässerung bewirkenden Anteilsverkäufe als Paket erfolgen soll, oder ob den Investoren erlaubt werden soll, zwar für Singapur zu stimmen, nicht aber für den verschleierten Käufer. Auf jeden Fall wäre es eine hilfreiche Geste, den neuen Aktionär zu identifizieren. Die Undurchsichtigkeit hat in diesem Jahr eine große Rolle bei den Problemen der Banken gespielt. Noch mehr davon ist nicht nötig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%