Geldhubschrauber
EZB erfolgreicher als die Fed

Die Europäische Zentralbank hat ihre Banken mit einjährigen Finanzmitteln in Höhe von rund 442 Milliarden Euro versorgt. Die Geldschöpfung übertrifft die der amerikanischen Fed, trotz ihrer offensichtlich größeren Anstrengungen. Aber problembeladene Banken werden die Barmittel wohl eher horten als weitergeben. So bleibt es die Hauptaufgabe der EZB, ihr Überleben zu sichern, um eine noch schlimmere Rezession zu vermeiden.
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Wer eine Depression vermeiden will, muss nur mit dem Hubschrauber aufsteigen und Geld abwerfen, so Ben Bernanke, der Chef der US Federal Reserve. Der Geldsegen aus dem Helikopter ist für jeden sichtbar. Und wenn die Scheine, die vom Himmel regnen, frisch gedruckt sind, wird es auch an Kritikern nicht mangeln. Die Europäische Zentralbank druckt auch Geld, aber sie verteilt es über dunkle Kanäle an die Banken weiter. Durch diese Pipelines pumpte sie am Mittwoch satte 442 Milliarden Euro an die Kreditinstitute, ein bisher beispielloses Volumen zu einem Rekordzinssatz von minimalen 1 Prozent.

Die USA und Europa kämpfen gegen Rezession, Deflation und sogar Depression. Die Welt richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Gelddruckmaschinerie der Fed, die vielen als unverantwortlich gilt und als Ursache für einen möglichen Zusammenbruch des Dollar. Die Bilanz der Fed ist innerhalb eines kurzen Zeitraums auf 2 Billionen US-Dollar angeschwollen. Aber auch das Volumen der EZB-Bilanz ist den vergangenen zwei Jahren angestiegen - auf ein noch höheres Volumen von1,7 Billionen Euro (2,4 Bio. US-Dollar). Die Ausleihungen vom Mittwoch werden sie noch weiter aufblähen.

Die beiden Notenbanken verfolgen einen unterschiedlichen Ansatz. Die von Bernanke angeführte Fed ließ ihren Hubschrauber über Märkten kreisen, auf denen hypothekenbesicherte Wertpapiere, Unternehmensanleihen und, am heftigsten umstritten, US-Staatsanleihen gehandelt werden. Der Plan, Staatsanleihen im Wert von 300 Milliarden US-Dollar anzukaufen, um die Renditen sinken zu lassen, sorgte für Unruhe unter den Geldgebern. Besonders laut war die Kritik aus China zu vernehmen.

Die EZB hat sich von den Staatsanleihen mit Bedacht ferngehalten und sich stattdessen stärker darauf konzentriert, ihre Banken liquide zu halten - abgesehen von einem 60-Milliarden-Euro-Ausflug auf den Pfandbriefmark. Die Unterstützung der Banken hat gigantische Ausmaße angenommen. Sie spiegeln die Größe der Probleme und die enormen Schwierigkeiten, die Wirtschaft der Eurozone wiederzubeleben.

Daran gemessen wirken die Ergebnisse eher bescheiden. Aber ohne die Hilfen hätten die Banken vielleicht nicht überlebt. Auf den Kreditvergaben lastet schwerer Druck. Das Wachstum der jährlichen Vergaben an den privaten Sektor ist in der Eurozone zwischen Ende 2008 und April 2009 von 5,8 auf 2,4 Prozent geschrumpft. Die Darlehenszinsen sind kaum gesunken. Die gefährlichen Zonen in Europa, die von den Banken selbst vermint wurden - spanische und irische Immobilien, Osteuropa - haben den Finanzsektor höchst verwundbar gemacht. Und er steht einer wirtschaftlichen Talfahrt gegenüber, die weitaus tiefer führen könnte als in den USA. Die OECD erwarten für dieses Jahr eine wirtschaftliche Schrumpfung der Eurozone um 4,8 Prozent und eine Nullwachstumsrunde 2010. Für die USA werden dagegen Minus 2,8 Prozent in diesem Jahr prognostiziert, bei einem moderaten Anstieg von 0,9 Prozent im nächsten. Die Banken dürften die neue EZB-Liquidität eher horten als sie in einer kollabierenden und gefährlichen Eurozone weiterzureichen. Aber ohne das Geld aus den dunklen Kanälen wäre die Rezession in der Eurozone wahrscheinlich noch schlimmer ausgefallen - und das Finanzsystem vielleicht zusammengebrochen.

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