Geldmärkte
Geldmarktfondsverluste: Bis hierhin und nicht weiter

Wann ist eine verfallene Garantie in Wirklichkeit eine verlängerte Garantie? Wenn der US-Finanzminister sagt, Uncle Sams Stützungszusagen für Geldmarktfonds laufen demnächst aus. Formal enden die Garantien Ende nächster Woche. Aber bevor der Staat es zulässt, dass ein großer Geldmarktfonds Verluste macht, wird noch geraume Zeit ins Land gehen.
  • 0

Wann ist eine verfallene Garantie in Wirklichkeit eine verlängerte Garantie? Wenn der US-Finanzminister sagt, Uncle Sams Deckungszusagen für Geldmarktfonds liefen demnächst aus. Tim Geithner bestätigte am Donnerstag, dass die staatlichen Stützungszusagen nicht verlängert würden. Ein Jahr lang galt das Versprechen der Regierung, Geldmarktfonds nicht unter einen Anteilswert von einem Dollar sinken zu lassen, oder, um es amerikanisch auszudrücken, ein "Breaking the Buck" zu verhindern.

Das Programm wurde vier Tage nach der Konkursanmeldung von Lehman Brothers vor inzwischen fast einem Jahr ins Leben gerufen. Zu dieser Zeit liefen die vermeintlich sicheren Anlagen der Geldmarktfonds Gefahr, in die Verlustzone zu rutschen und damit zu Kursrückgängen der Anteilswerte unter einen Dollar zu führen - den üblichen Nominalwert dieser Papiere. Also bestand das Risiko, dass Investoren scharenweise aus den Fonds, die als "so gut wie Bargeld" galten, ausstiegen und ihre Anlagen von damals 3 Billionen US-Dollar abzogen. Ein Run auf dieses Polster des Schattenbanksystems hätte die bereits wütende Finanzkrise auf ein ganz neues Gefahrenniveau angehoben.

Heute ist die Panik abgeklungen und die Investmentstrategien der Fonds sind konservativer geworden. Explizite Garantiezusagen sind daher vielleicht nicht länger notwendig. Geithner verzichtet gern auf die jährlichen Gebühren in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, die die Fonds für die Rückendeckung zahlen mussten, um dafür für sich die politische Ehre in Anspruch zu nehmen, Vorreiter des staatlichen Rückzugs aus dem freien Spiel der Marktkräfte zu sein.

Allerdings ist Geithners Rückzug mehr verbal als real. Der Staat ist noch immer nicht bereit, es diesem ausgesprochen wichtigen Finanzsektor allein zu überlassen, mit lebensbedrohlichen Schocks fertig zu werden. Der Finanzsektor und die Konjunkturerholung sind noch zu schwach, um solche Risiken zu schultern.

Die Zeit mag kommen, in der ein großer Geldmarktfonds unter die Ein-Dollar-Grenze rutscht, genauso, wie auch die Zeit kommen wird, in der eine große US-Bank zusammenbrechen darf und Gläubiger und nicht versicherte Anleger leer ausgehen. Aber so bald werden wir diese Zeiten nicht erleben. Eine Lektion, die wir aus der Krise gelernt haben, zeigt, dass Regierungen alles daran setzen, eine Ausbreitung von Panik und Finanzgift zu verhindern.

Sowohl die Fonds als auch ihre staatlichen Aufseher wissen, dass die einzige Veränderung darin liegt, dass die Garantien jetzt nicht mehr explizit, sondern implizit gelten. Die Aufsichtsbehörden müssen aufpassen, dass die Fonds daraus keinen Vorteil ziehen.

Kommentare zu " Geldmärkte: Geldmarktfondsverluste: Bis hierhin und nicht weiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%