Geldmärkte
Paranoia mit Substanz

Die umfangreichen Kapitalströme, die die Zentralbanken in den Geldmarkt geleitet haben, konnten nicht zu einer Beruhigung beigetragen. Die extrem hohen Zinssätze zeigen, dass die Banken regelrecht nach Finanzierungsmitteln lechzen. Die Reaktion der Notenbanken könnte in der Bereitstellung längerfristiger Refinanzierungsmöglichkeiten bestehen, unabhängig davon, ob das 700-Milliarden-Dollar-Rettungsprogramm der USA nun kommt oder nicht.

In der vergangenen Woche schleuste die amerikanische Federal Reserve, unterstützt von der Bank of England, der Europäischen Zentralbank und anderen Notenbanken, die horrende Summe von 180 Milliarden Dollar an kurzfristigen Finanzierungsmitteln in den Geldmarkt. Über diesen Markt gleichen die Geschäftsbanken ihren Liquiditätsbedarf im täglichen Geschäft aus. Von Frankfurt bis Japan wurden Dollar in den Markt gepumpt und China senkte die Zinsen. Aber auch die riesige Menge an monetären Schmiermitteln, die dem System rund um den Globus zugeführt wurde, konnte die Wogen kaum glätten.

Der Geldmarkt bleibt volatil und extrem teuer und stellt die Banken - und damit die Unternehmen, die von ihnen abhängen - vor ernste Finanzierungsprobleme. Während der US-Kongress über dem - mängelbehafteten - 700-Milliarden-Dollar-Rettungsprogramm brütet, schwebt das internationale Finanzsystem offenbar in großer Gefahr.

Die Liquiditätsschwemme der Zentralbanken hat dazu beigetragen, die Tagesgeldzinsen zu beruhigen. Aber am Markt für nur geringfügig längere Laufzeiten haben die Zinsen deutlich angezogen. Sowohl in Dollar wie auch in Pfund Sterling ist der Abstand zwischen dem Dreimonatssatz und dem von der Regierung angestrebten Satz auf 1,5 Prozentpunkte angewachsen und liegt damit auf dem höchsten Stand seit Beginn der Krise. Wie die Leidtragenden aus Überschwemmungskatastrophen hohe Preise für geringe Mengen an Frischwasser zahlen müssen, müssen jetzt die Banken draufzahlen, wenn sie sich sauber refinanzieren wollen.

Das Problem ist gravierend. Finanzierungsschwierigkeiten solchen Ausmaßes können dazu führen, dass die Banken ihre Kreditvergaben drosseln müssen, wodurch wiederum das Wirtschaftswachstum gebremst wird. Noch schlimmer ist es, wenn Banken durch die fehlende Liquidität in den Konkurs getrieben werden. Solange die Banken ihre kollektiven Ängste nicht ablegen können, solange tragen sie selbst dazu bei, zu provozieren, was sie selbst am meisten fürchten: weitere Bankenzusammenbrüche. Das Lehman Brothers scheiterte, bestätigt, dass die Paranoia der Banken begründet ist. Die Finanzierungsprobleme jeder einzelnen Bank können leicht lebensbedrohlich werden und die Behörden könnten sich weigern einzuschreiten oder aber einfach zu spät kommen.

Wie schon bei früherer Gelegenheit, ist es wahrscheinlich, dass die Zentralbanken auf die heutigen, Gefahr signalisierenden Rekordzinsen mit der Bereitstellung längerfristiger Liquidität reagieren. Die Notenbankpolitik wird dadurch noch abhängiger von den Bankbilanzen, aber erst einmal hat die Bekämpfung der Angst Priorität. Selbst wenn Hank Paulsons 700-Milliarden-Dollar-Rettungsprogramm große Schwächen aufweist, wird das Programm oder irgendein anderes Modell dringend gebraucht, um die Märkte zu beruhigen.

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