Geldpolitik/Nahrungsmittel
Einer muss dafür büßen

Ein fortgesetzter geldpolitischer Expansionskurs könnte dem US-Immobilienmarkt wieder aufhelfen. Doch gleichzeitig würde er zu einer Verteuerung der Rohstoff- und Energiepreise beitragen und besonders die Nahrungsmittelversorgung der armen Länder treffen. Die amerikanischen Immobilienbesitzer werden vielleicht leiden müssen, um die weltweite Inflation zu bezwingen, die Armen zu ernähren und um die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ein fortgesetzter geldpolitischer Expansionskurs könnte dem Immobilienmarkt wieder aufhelfen, denn durch ihn würden die Zinskosten sinken und eine Lohninflation hervorgerufen werden, so dass Wohneigentum insgesamt wieder erschwinglicher werden würde. Aus diesem Grund hat John Makin vom American Enterprise Institute in einem Zeitungsbeitrag auch darauf gedrängt. Allerdings würde eine Lockerung der Zinszügel auch den Preisauftrieb bei Rohstoffen und im Bereich Energie weiter anheizen. Davon wäre besonders die Nahrungsmittelversorgung der armen Länder betroffen. Daher werden die amerikanischen Immobilienbesitzer wohl dafür büßen müssen, die globale Teuerung zu bezwingen, die Armen der Welt zu ernähren und die Weltwirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Der Rückgang der amerikanischen und der globalen Zinsen und die Liquiditätszufuhren seit September waren mit einem jähen Anstieg der Rohstoffpreise einhergegangen. Seitdem die US-Notenbank zuerst am 18. September den Zielsatz für Fed Funds von 5,25 Prozent auf 4,75 Prozent gesenkt hat, ist der Continuous Commodity Index für die Rohstoffpreise um 25 Prozent geklettert. Das war zu erwarten, denn eine monetäre Expansion erhöht das Geldangebot im Verhältnis zu den Rohstoffen und führt so zu einem Preisauftrieb. Solche Verteuerungen der Rohstoffpreise lösen, falls sie ungehindert ablaufen und nicht durch deflationäre Faktoren in anderen Bereichen ausgeglichen werden, eine allgemeine Inflation aus. Und sie bringen besonderes Elend für die Einwohner armer Länder mit sich, die knapp am Existenzminimum leben und für die Nahrungsmittel und andere Rohstoffe einen Großteil ihrer Ausgaben ausmachen.

Eine geldpolitische Expansion unterstützt auch den US-Wohnungsmarkt - auf zweifache Weise. Zunächst einmal reduzieren sich durch sie die Zinsen und damit auch die Kosten für variabel verzinsliche Hypothekendarlehen für in Not geratene Immobilienbesitzer und für die festverzinslichen Hypotheken der Neuerwerber. Zweitens verursacht sie eine allgemeine Teuerung, die sich mit einer gewissen Verzögerung normalerweise in höheren Löhnen niederschlägt und damit die Immobilienpreise erschwinglicher macht und damit ihrem Rückgang entgegenwirkt.

Zwischen den Bedürfnissen der US-Immobilienbesitzer und den Armen der Welt besteht somit ein Konflikt. Wenn sich die geldpolitische Expansion fortsetzt, und so die Wohnungseigentümer unterstützt, wird sie die Nahrungsmittel- und Energiepreise weiter aufblähen und die Armen noch weiter ins Elend stürzen. Ein ausreichend straffes Anziehen der Zinszügel würde zu geringeren Rohstoffpreisen führen, aber den US-Immobilienmarkt beschädigen. Die Folge wären weitere Ausfälle zahlungsschwacher Immobilieneigentümer und weitere Verluste für das US-Bankensystem.

Das Dilemma ist akut. Da allerdings die Hausbesitzer ohnehin nur auf Kosten einer beträchtlichen allgemeinen Inflation gerettet werden könnten, sollte die Ausschlag gebende Stimme eher den Armen, dem Senken des Inflationsdrucks und der Wiederherstellung des Gleichgewichts der Weltwirtschaft gegeben werden.

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