Gemeinschaftsprojekt oder unheilige Allianz?
Gleiches Bett, anderer Traum

Der Zusammenschluss mit einem Wettbewerber kann profitabel sein – aber auch gefährlich. Das zeigt ein Blick auf Danone, Rio Tinto und BHP Billiton. Alle endeten im Streit über den Führungsanspruch. In einigen Fällen liegt das Problem aber auch im zu großen Erfolg.

Der Zusammenschluss mit einem Wettbewerber kann gewinnbringend sein, wenn es darum geht, einen vielversprechenden neuen Markt zu erobern. Er kann aber auch gefährlich werden. Danone, Scottish & Newcastle und Rio Tinto haben auf unterschiedliche Weise erfahren müssen, dass Joint Ventures teuflisch schwer zu managen sind. In allen drei Fällen verhedderten sich die ursprünglich vielversprechenden Projekte in Streitereien über den Führungsanspruch.

Für Danone erwies sich die Auswahl des richtigen Partners als Problem. Der französische Erzeuger von Milchprodukten lehnte zwei Projekte in China ab, woher 10% seiner Erträge stammen. Ein drittes Gemeinschaftsunternehmen endete in einem bitteren Rechtsstreit, den Danone glücklicherweise gewinnen könnte. Danones Vorwurf: der Partner habe geheime Vertriebskanäle aufgebaut, um Umsätze abzugraben.

In anderen Fällen sind es externe Faktoren, die ein gutes Verhältnis verderben können. Die Minengesellschaften BHP Billiton und Rio Tinto haben jahrelang friedlich nebeneinander in ihre riesige chilenische Kupfermine Escondida investiert. Jetzt aber hat sich BHP mit einem feindlichen Übernahmeangebot an Rio unbeliebt gemacht. Die Rückkehr zum früheren Status könnte schwierig werden. Selbst wenn BHPs Angebot im Sande verläuft, könnte ein angespanntes Verhältnis zwischen den Konzernspitzen Wertverluste für die Aktionäre bedeuten.

Für die Brauerei S&N liegt das Problem im zu großen Erfolg. Das BBH Russian Joint Venture wächst so schnell, dass der Partner Carlsberg es für billiges Geld in die eigene Regie übernehmen will. Carlsbergs Mittel: Übernahme gleich der ganzen S&N gemeinsam mit weiteren Konsortialpartnern. Für beide Unternehmen ist BBH nicht nur ein Kronjuwel – es ist die einzige wirkliche Quelle ihres Umsatzwachstums. Keiner der Partner will da verzichten. So hat S&N beschlossen, den Streit vor ein Schiedsgericht zu tragen.

So gesehen scheint Erfolg das schlimmste Problem für die Partnerunternehmen zu sein. Wenn beide Partner die gleichen Ambitionen haben, kann jeder schnell zu dem Schluss kommen, nun genug vom Anderen gelernt zu haben, um den weiteren Weg alleine zu gehen. Einzelhandelsketten aus dem Westen wie Tesco, Carrefour und Wal-Mart könnten das auch bald erfahren. Alle drei liebäugeln mit Indiens superaggressiven Familienkonglomeraten, um Zugang zum schnell wachsenden Lebensmittelmarkt des Landes zu erhalten.

Einige Joint Ventures erfreuen sich natürlich auch blühender Gesundheit. Aber auf jede JP Morgan-Cazenove, die Investmentbanken-Partnerschaft, kommt eine Concert, das vom Pech verfolgte 10-Milliarden-Dollar-Projekt von British Telecom und AT&T, das zu schlechter Letzt 2 Millionen Dollar pro Tag verlor. Je besser die Ergebnisse der Partnerschaft, desto größer der Anreiz für die Partner sich das ganze Geschäft unter den Nagel zu reißen. So wird „in vollem Einvernehmen“ schnell zu „ in unheiliger Allianz“.

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