General Electric
Ein bisschen Unsicherheit

Die Investoren haben gegähnt, als GE-Chef Jeff Immelt für 2008 ein Wachstum des Gewinns je Aktie um zehn Prozent angekündigt hat. Aber da möglicherweise eine Rezession droht und die Unsicherheit auf den Kreditmärkten anhält, wäre eine solche Entwicklung gar nicht so übel. Und sie würde das breit gestreute Portfolio von GE rechtfertigen.

Wenn ein Unternehmen ein Gewinnwachstum von zehn Prozent prognostiziert, ist das meist kein großer Grund zur Freude. Es kann daher kaum überraschen, dass Investoren mit dem Ausblick, den GE-Chef Jeff Immelt für das kommende Jahr gegeben hat, unzufrieden waren. Aber angesichts der unsicheren Wirtschaftslage in den USA könnte sich ein zweistelliges Gewinnwachstum als beneidenswerte Entwicklung herausstellen.

Die meisten Mischkonzerne sind den Weg der Dinosaurier gegangen. GE hat lange die Vorteile eines umfangreichen Produktportfolios gepriesen: Wie bei einem Aktienportfolio ermöglicht es diese diversifizierte Struktur, eine Schwäche auf einem Gebiet durch die Stärke auf einem anderen auszugleichen. Und ein stetigerer Zustrom von Gewinnen trägt dazu bei, die Bonitätseinstufung von „AAA“ zu erhalten, was in einer Kreditkrise von enormem Vorteil ist.

Doch Investoren bleiben skeptisch. Seit Immelt im September 2001 das Ruder übernommen hat, sind ist der GE-Kurs gerade um zehn Prozent auf derzeit etwa 37 Dollar gestiegen. Immelt hat viel getan, um das Portfolio auf schneller wachsende und rentablere Geschäftsbereiche auszurichten. Vielleicht zollen die Anleger Immelt nicht genug Anerkennung. Nach Angaben von Factset kosten GE-Aktien derzeit das 15-Fache der für 2008 erwarteten Ergebnisse, das entspricht einem leichten Abschlag gegenüber dem S&P-500-Index. Dabei wäre das von Immelt für 2008 prognostizierte Wachstum weit besser als der Ergebniszuwachs von sechs Prozent, von dem die Analysten für den Gesamtmarkt ausgehen.

Sicher ist das GE-Portfolio alles andere als perfekt. Ein weiteres Zurückschneiden – etwa die Abspaltung der Medientochter NBC Universal und eine Reduzierung des Engagements bei Immobilien und Finanzdienstleistungen – könnte dazu beitragen, zusätzliche Werte freizusetzen. Aber GE ist in einer guten Ausgangslage, um den Sturm zu überstehen. Da der Konzern die Hälfte des Umsatzes außerhalb der USA erzielt, laufen viele der Geschäftsbereiche immer noch mit Volldampf. Historisch gesehen hat das Unternehmen immer einen Aufschlag um 20 Prozent gegenüber dem S&P-500-Index erzielt, berichtet Goldman Sachs. Eine Bewertung um das 19fache der Ergebnisse wäre also vielleicht angemessener. Wenn GE 2008 das Gewinnziel von 2,42 Dollar je Aktie erreicht, impliziert das einen Aktienkurs von rund 46 Dollar. Nimmt man die Dividendenrendite von drei Prozent dazu, liegt das Aufwärtspotenzial bei 30 Prozent – bei ziemlich konservativen Annahmen.

Als Industriekonglomerat kann GE offenkundig wenig daran gelegen sein, auf unruhige Zeiten in der Weltwirtschaft und auf den Finanzmärkten zu hoffen. Aber sonderbarerweise ist ein bisschen Unsicherheit vielleicht genau das, was das Unternehmen braucht, um Immelts Anstrengungen zu rechtfertigen.

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