General Electric
Weder Fisch noch Fleisch

Die US-Börsenaufsicht SEC hat GE-Aktien auf die Liste der Titel gesetzt, die nicht leer verkauft werden dürfen. Das unterstreicht, dass der Mischkonzern nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Die Gefahr besteht, dass die Industriebereiche von GE wegen der finanziellen Nöte von GE Capital in Geiselhaft genommen werden. Warum also sollte man den Finanzzweig nicht als Bank-Holding ausgliedern?

Nach Ansicht der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) qualifiziert sich General Electric (GE) als Finanzgesellschaft, die davor geschützt werden muss, dass die Investoren Wetten gegen sie abschließen. Aber dies ist nicht die Botschaft, die GE selbst an die Aktionäre aussendet. Die Firma spielt ihre weltweit an der Spitze liegenden Industriebereiche hoch, die Jet-Turbinen, Kraftwerksanlagen und andere Infrastruktur-Produkte herstellen.

Doch dieser ewige Konflikt betont nur das zentrale Rätsel für die Investoren der Gruppe: GE Capital Services, wie der Finanzzweig genannt wird, hält den Rest der erstklassigen Unternehmensbereiche des Konglomerats als Geiseln. Und das beeinträchtigt nicht nur den Wert der Aktien. Wenn es eine Lehre gibt, die GE-Chef Jeff Immelt vielleicht aus dem Aufruhr an den Kreditmärkten ziehen kann, dann ist es die, dass die Finanznöte von GE Capital die ganze Firma aufs Spiel setzen

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Nicht dass GE in Schwierigkeiten wäre. Die Aktien wurden zwar nach unten geprügelt, aber in der vergangenen Woche hat es GE Capital mit Leichtigkeit geschafft, sich auf dem Commercial Paper-Markt zu finanzieren. Doch es wäre unverantwortlich vom GE-Board, wenn er nicht ein wenig Fantasie walten ließe und sich fragen würde: "Was passiert, wenn GE Capital in einen Finanzierungsengpass gerät?"

Zur Mitte des Jahres verfügte GE Capital über Vermögenswerte von 695 Mrd. Dollar. Ein Drittel davon wurde über kurzfristige Kredite finanziert, darunter 100 Mrd. Dollar an Commercial Paper. Wenn diese Finanzierungsquelle dicht gemacht würde, müsste sich GE anderswo nach neuen Mitteln umschauen. Käme es zum Äußersten, müsste die Finanzgesellschaft vielleicht Vermögenswerte - darunter welche aus dem Industriebereich - zu Schleuderpreisen abstoßen.

Setzt man das düstere "Was wäre, wenn"-Gedankenspiel fort, dann könnte man sich vorstellen, dass der Wert der Vermögenswerte von GE Capital von den Schwierigkeiten auf den Kreditmärkten und einer ernsten Konjunkturverlangsamung weiter in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Ein 15prozentiger Sicherheitsabschlag auf die Finanzierungsforderungen des Bereichs - Kredite an Unternehmen und Verbraucher - über 424 Mrd. Dollar würde das Kapital des Unternehmensbereichs über 60 Mrd. Dollar zunichte machen.

Eine mögliche Antwort wäre es, GE Capital an die Aktionäre auszugliedern, möglicherweise sogar als Bank-Holding - die Unternehmensstruktur, die Goldman Sachs und Morgan Stanley nun gewählt haben. Das wäre zwar kompliziert, und eine unabhängige Gesellschaft würde wahrscheinlich mehr Kapital brauchen als die Tochter momentan vorweisen kann, um ihr Kredit-Rating aufrecht zu erhalten. Aber sie könnte dadurch Zugang zu neuen Finanzierungsquellen erhalten, und die anderen Unternehmensbereiche von GE wären in einer guten Lage zu gedeihen, ohne dass sie in irgendeiner Weise durch den Finanzsektor beeinträchtigt würden.

Dies ist alles rein hypothetisch und spiegelt zu einem gewissen Ausmaß das denkbar schlechteste Szenario wider. Aber wenn man etwas aus dem Ungemach bei Lehman Brothers, Bear Stearns, American International Group und anderswo lernen kann, dann ist es die Erkenntnis, dass die Unternehmensvorstände ein bisschen mehr Fantasie in ihre Planungstreffen einfließen lassen sollten.

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