General Electric
Zu viel Fantasie

Der “fantasievolle” Vorstoß von GE in den Bereich Finanzdienstleistungen hat die Gruppe im Vergleich zum Konkurrenten United Technologies ins Hintertreffen gebracht. Nun macht sich United Technologies daran, einige der Vermögenswerte von GE zu kaufen. Auch wenn sich die Industriesparten der beiden Firmen ähneln, ist es erstaunlich, wie stark die Geschicke der Unternehmen voneinander abweichen.
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GE gegen United Technologies: United Technologies macht sich daran, Vermögenswerte vom Konkurrenten General Electric (GE) zu kaufen. Das passt genau ins Bild. Zumindest in den Augen der Aktionäre ist der Hersteller von Otis-Aufzügen, Pratt & Whitney-Jetturbinen und Sikorsky-Hubschraubern der erfolgreichere der beiden im US-Bundesstaat Connecticut ansässigen Industriemischkonzerne.

Auch wenn GE mit einer Marktkapitalisierung von 167 Mrd. Dollar das größere der beiden Unternehmen ist, kommt es nur schwer aus der Kreditkrise heraus. Die Gruppe unter der Leitung von Jeffrey Immelt zweigt Geld von den Dividenden ab und verkauft Vermögenswerte, um ihre Bilanz zu stützen. In der kommenden Woche dürfte GE den Mehrheitsanteil an dem Fernsehsender NBC Universal abstoßen, der sich seit Jahrzehnten im Besitz des Konglomerats befindet.

In der Zwischenzeit erscheint United Technologies mit einer Marktkapitalisierung von 63 Mrd. Dollar kerngesund zu sein. In aller Ruhe nimmt das Unternehmen Zukäufe vor und verhandelt derzeit über die Akquisition des Bereichs Brandmelder und Sicherheitssysteme, den GE für rund 1,5 Mrd. Dollar zum Verkauf gestellt hat.

Beide Unternehmen weisen ausufernde Industriebereiche mit Schwerpunkten in der Luftfahrt, Energie und Infrastruktur vor. Doch ihr Hauptunterscheidungsmerkmal erklärt, warum sie sich in einer so bemerkenswert unterschiedlichen Lage befinden. GE hat massiv auf den Finanzsektor gewettet, während United Technologies sich an seine bestehenden Kernbereiche in der Herstellung gehalten hat. Die Entscheidung von GE hatte für die Aktionäre zuletzt verheerende Folgen.

Im Verlauf des letzten Jahres hat United Technologies mit Louis Chênevert an der Spitze eine Rendite inklusive Dividenden von 40 Prozent eingefahren. Das entspricht dem Zehnfachen der Kursgewinne und Dividenden von GE. Diesen Zeitraum zu wählen, in den auch die jüngste Panik fiel, unter der GE Capital besonders gelitten hatte, scheint nicht ganz fair zu sein. Doch seit Februar 2007 - als sich erste Anzeichen der Subprime-Katastrophe einstellten - haben sich die Aktien von United Technologies im Wesentlichen unverändert gezeigt, während die Titel von GE die Hälfte ihres Werts eingebüßt haben.

Auch wenn man ein ganzes Jahrzehnt zurückgeht, zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Die Investoren, die ihre Dividenden wieder in Papiere von United Technologies investierten, wurden mit einer Rendite von 185 Prozent belohnt. Die Aktionäre von GE dagegen haben bei ihren Investitionen rund 55 Prozent verloren.

Heute werden die Aktien von United Technologies mit mehr als dem Dreifachen der Vermögenswerte abzüglich der Verbindlichkeiten bewertet. Das entspricht in etwa dem Doppelten des Aufschlags gegenüber dem Buchwert, der den GE-Aktien zuerkannt wird. Alles in allem sichert sich United Technologies damit die beste Ausgangsposition, um herabzustoßen und Geschäftsbereiche von GE zu kaufen - dessen große Wette auf den Finanzsektor den Mischkonzern dazu zwingt zu schrumpfen und die aus seinen Aktionären Leidtragende macht.

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