General Motors
Der Chefwechsel weckt Sorgen

Fritz Henderson als CEO von GM abzulösen, mag an sich positiv sein. Er war Teil der alten Garde, die den Autobauer in die Insolvenz getrieben hatte Wie sich bei Fiat und Ford gezeigt hat, können neue Kräfte von außerhalb der Branche eine Kehrtwende vorantreiben. Doch dass GM überhaupt keine Erklärung für den Personalwechsel an der Spitze liefert, sendet Besorgnis erregende Signale aus.
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GM-Chef Fritz Henderson tritt zurück. Der US-Autobauer muss erklären, warum. Den Mann am Steuer abzulösen, mag an sich positiv sein. Schließlich gehörte Henderson der alten Garde an, die den Autohersteller in die Insolvenz getrieben hatte. Wie sich bei Fiat und Ford gezeigt hat, können frische Kräfte von außerhalb der Branche eine Kehrtwende vorantreiben. Doch dass GM überhaupt keine Erklärung für den Personalwechsel an der Spitze liefert, sendet Besorgnis erregende Signale aus.

Zugegebenermaßen ist es kaum verwunderlich, dass es zwischen dem Chief Executive und seinem Board zu immer größeren Spannungen gekommen ist. So äußerte sich Henderson in der Öffentlichkeit zum Beispiel viel optimistischer über eine Erstemission im kommenden Jahr als GM-Chairman Ed Whitacre Jr.

Doch der unvermittelte Abgang Hendersons legt nahe, dass der Verwaltungsrat über keine Notfallpläne verfügt - was an sich schon beunruhigend ist. Natürlich ist es nicht einfach, einen neuen Chef für ein Unternehmen zu finden, das durch staatliche Hilfen am Leben erhalten wird. Diese Erfahrung macht auch die Bank of America gerade. Aber wenn die Verwaltungsratsmitglieder geplant hatten, Henderson seines Amtes zu entheben, dann hätten sie doch schon ungefähr wissen sollen, wer ihm nachfolgen soll.

Noch bedenklicher ist allerdings, was dieser Vorgang über die Strategie von GM aussagt. Der Gläubigerschutz nach Kapitel 11 der US-Insolvenzordnung sollte dem Unternehmen die Option einräumen, auf eine überschaubarere Größe mit geringeren Ablenkungen seitens seiner weit verzweigten Bereiche zu schrumpfen. Seitdem der Autobauer den Insolvenzprozess hinter sich gelassen hat, hat sich der neue Board allerdings dafür entschieden, Opel zu behalten, statt einen Mehrheitsanteil an Magna zu verkaufen. Und nachdem der Verkauf von Saab an Koenigsegg gescheitert ist, könnte der Board Ausflüchte darüber machen, was mit der schwedischen Tochter eigentlich geschehen soll. Ein erneuter Vorstoß, ein globales Imperium aufzubauen, sollte für GM eigentlich nicht vorgesehen sein.

Wenn die Verwaltungsratsmitglieder jedoch nur die Arbeit zu Ende bringen, die "Auto-Zar" Steve Rattner begonnen hatte, als er den ehemaligen GM-Boss Rick Wagoner im März zum Aufgeben gezwungen hatte, dann haben sie nichts zu befürchten, wenn sie dies auch sagen. Welche Gründe auch immer hinter dem Abgang von Henderson stecken - der Board muss jetzt schnell mit der Wahrheit herausrücken.

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